Das Kind in uns

Das Kind in uns, Blogbeitrag von Nana Schewski

„Mir könnte es so gut gehen… Trotzdem fühle ich mich so leer“ – solche Sätze habe ich oft gehört. Warum tauchen viele Probleme wie innere Leere/innere Unruhe, Stimmungsschwankungen, innere Anspannungen, Depressionen erst ab einem bestimmten Alter verstärkt auf? 

Zuerst schauen wir, wie der Anfang war: 

Das Baby kommt zur Welt und im Idealfall erfährt es eine bedingungslose Liebe und Zuwendung. Die Realität sieht oft anders aus, auch wenn die Eltern es mit ihren Kindern wirklich gut meinen. Sie sind oft gehetzt, überfordert, oft auch unwissend.

Eltern haben Wunschvorstellungen wie sich das Baby zu verhalten hat: es soll lange schlafen, möglichst schnell durchschlafen, wenig weinen, gut essen usw. Der Alltag ist aber oft anders als Ideal. Das Baby wächst und mit seinem Wachstum kommen noch weitere Herausforderungen auf die Beteiligten zu. Es wird beweglich, entwickelt eigene Wünsche und Verhaltensweisen, die nicht immer den Erwartungen der Eltern/Bezugspersonen entsprechen.

Das Baby/Kleinkind spürt sehr deutlich, ob seine Eltern zufrieden und glücklich sind, es spürt deutlich die Erwartungen, die seine Eltern an es haben. In einem zarten Alter, in dem absolute Abhängigkeit von den Bezugspersonen besteht, ist es sehr bedrohlich, abgewiesen und nicht geliebt zu werden. Evolutionsbedingt haben alle Kinder diese Überlebensangst, diese Angst zwingt sie dazu, sich anzupassen. Dafür müssen sie ihre eigenen Bedürfnisse aufgeben, um diese Angst und Bedrohung nicht mehr zu spüren. Dafür müssen sie sich mit irgendetwas betäuben, damit sie überleben.

Wenn das Kind merkt, dass es mit dieser Anpassung die Bezugspersonen und seine Umwelt zufrieden stellen kann und dadurch Liebe und Anerkennung bekommt, wird es diesen Weg wahrscheinlich nicht mehr verlassen. Schließlich hat ihm dieser Weg das Überleben gesichert. Dieser Weg wird zu seiner Lebensstrategie. So wird es immer weitermachen: das bedeutet, das eigene Leben nach den Bedürfnissen der anderen auszurichten, die Wünsche anderer Personen als die eigenen Wünsche zu betrachten. 

Solange das alles funktioniert, werden alle Beteiligten zufrieden sein. Aber es kommt die Zeit des Nachdenkens. Das vernachlässigte verletzte Kind in uns meldet sich dann immer lauter, immer schmerzhafter, verschiedene Krankheiten und Beschwerden häufen sich.

Aber der über Jahrzehnte vernachlässigte Kontakt zum eigenen inneren Kind wird nicht so einfach funktionieren, zumal dieser Zugang erst gefunden werden muss. 

Ein verletztes, zurückgewiesenes, verängstigtes Inneres Kind wird uns nicht ermöglichen, das Leben mit Freude und Leichtigkeit zu genießen. Wir müssen uns immer ablenken lassen, damit das Leben weiter funktioniert.

Wir spüren oft eine Leere/Unruhe/depressive Stimmung/innere Anspannung und das ist ein Hinweis dafür, dass wir uns in zartem Alter ein Handlungsmuster angeeignet hatten, das zwar damals das Überleben sicherte, aber jetzt im Erwachsenenalter uns im Wege steht, uns Kraft raubt und kein zufriedenstellendes Leben zulässt. 

Die gespürte Leere oder Unruhe wird oft mit unterschiedlichem Verhalten oder materiellen Sachen kompensiert. Mit dieser Strategie versuchen wir uns von dieser Leere/Unruhe abzulenken, dadurch schützen wir uns, weil diese innere Leere/Unruhe weh tut. Diese Strategien können sehr unterschiedlich sein:

  1. Ständige Beschäftigung im Alltag (gewisse Ruhelosigkeit)
  2. Endlose Urlaube /Reisen, ständiges Sammeln von Eindrücken/ materiellen Sachen  (keine innere Einkehr möglich)
  3. Übertriebenes soziales Engagement /karitative Tätigkeit (statt sich zu retten wird versucht die Welt zu retten!)   
  4. Grenzen überschreitendes Einmischen ins Leben der Familie, der erwachsenen Kinder, Nachbarn, Freunde etc. 

♦ Dies sind aktive Strategien, die dazu dienen, sich von der inneren Leere oder Unruhe abzulenken.

♦ Eine andere Strategie ist eine passive Vermeidungsstrategie: sich abzukapseln, man hat oft eine depressive Stimmung, keine aktive Teilnahme am Leben, Familientreffen, Events etc. Das aktive Miteinander wird gemieden. Man konzentriert sich auf wenige Sachen, z.B. auf ein Tier/einen Garten und möglicherweise ist man stets erschöpft. Das ist auch eine Schutzstrategie, da ein aktives Miteinander auch ungewollt auf die wunden Punkte der Betroffenen drücken kann.

»  Zielführend wäre, sich dieser inneren Leere / Unruhe zu stellen. Diese innere Leere / Unruhe und die damit verbundenen Schmerzen müssen gesehen und akzeptiert werden. Das ist der erste Schritt. Der zweite wäre, diese Leere mit positiven Inhalten zu füllen / die innere Unruhe aufzulösen.  Das ist zwar schneller ausgesprochen als getan, aber es ist machbar. Dafür braucht man eine fachliche Begleitung. Alle guten Bücher oder Onlinekurse, die eine Schritt-für-Schritt Anleitung beinhalten, aber keine 1 zu 1 Coaching/Begleitung bieten, sind dafür nicht geeignet. Warum? Weil all das eine Konfrontation mit unseren seelischen Schmerzen ist. Die Kraft und Tiefe dieser Schmerzen können wir im Voraus nicht erahnen. Wir können uns noch mehr Schmerzen und Schaden zufügen.   

Die Frage ist doch, warum die Probleme meistens verstärkt erst im fortgeschrittenen Alter auftauchen.

♦ Ich würde aus meiner Erfahrung sagen, dass es generell drei Phasen gibt: 

1. In der ersten Phase sind wir sehr jung. In dieser Phase nehmen wir unsere negativen Glaubenssätze selten bewusst wahr, wir spüren aber gut die Ergebnisse davon, zum Beispiel Angst vor Sichtbarkeit, Angst Referate zu halten, Liebeskummer, Eifersucht etc. Ich hatte Klientinnen, die in einer unglücklichen Beziehung waren, weil sie Angst hatten, verlassen/allein zu sein. 

In dieser Phase galoppieren die meisten Menschen durch das Leben: Ausbildung, Studium, Job, Freunde.Die Fähigkeit zur Reflexion ist nicht besonders gut ausgebildet in dieser Phase und es gibt auch keine Zeit und Lust, Halt zu machen um das eigene Leben zu reflektieren. Wenn die Menschen in dieser Phase doch zum Coach oder Therapeuten gehen, dann nur mit dem Wunsch, die unerwünschten Folgen ihrer inneren Glaubenssätze so schnell es geht korrigiert zu bekommen, in die Tiefe gehen – wollen sie meistens nicht.  

2. In der zweiten Phase passiert oft ein Schicksalsschlag: Krankheit, Jobverlust, Scheidung oder irgendetwas, was uns zum Nachdenken bringt. Weil wir hier unsere Probleme lösen wollen, sind wir auch bereit in die Tiefe zu gehen. Wir spüren deutlich, dass irgendetwas nicht stimmt. Wir wollen die Ursachen finden, oft schaffen wir es aber nicht, weil das Leben so schnelllebig ist. Eine neue Partnerschaft, ein neuer Job, Kinder, die unsere Kraft noch sehr brauchen, Eltern, die krank sind  – und schon sind wir schnell abgelenkt. Zwar sind wir auf unsere Probleme aufmerksam geworden, aber die Zeit und Möglichkeit weiter zu machen, haben wir jetzt gerade nicht mehr.

Aber die Problematik bleibt und die damit verbundenen unangenehmen Nebenwirkungen verstärken sich

3. Phase drei: in dieser Phase haben viele Menschen Zeit, das Familienleben ist nicht so schnell und intensiv wie vorher. Man muss nicht mehr durch den Tag galoppieren, sich hetzen, damit man alles hinbekommt. Wenn Kinder da sind, dann sind sie schon aus dem Haus und das Leben verläuft mehr oder weniger in geregelten Bahnen.

In dieser Phase wird uns schon deutlich bewusst, dass wir nur Gäste auf diesem wunderbaren Planeten sind, wir wünschen uns unsere Zeit sinnvoll zu verbringen und das Leben  zu genießen, es uns  gut gehen zu lassen, besonders wenn die familiären und finanziellen Möglichkeiten vorhanden sind.  Aber es melden sich Probleme wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, Gefühle der inneren Leere/Unruhe. Vor diesen ist man bis jetzt mehr oder weniger erfolgreich davon gelaufen. Jetzt melden sie sich immer lauter und lauter und sie zum Schweigen zu bringen gelingt uns nicht. 

Wie unangenehm all das auch ist, es hat auch eine positive Seite. Es ist eigentlich eine Chance, dass wir genau hinschauen, was die Gründe unserer Stimmungsschwankungen/innerer Leere/ Unruhe sind.

Diese Gründe zu finden bedeutet einen Weg zu sich selbst zu finden, sich gut kennen zu lernen, das eigene innere Kind kennen zu lernen und eine positive bereichernde Beziehung zum inneren Kind aufzubauen, das eigene innere Programm  und damit das bisherige Leben zu beleuchten.  Und es lohnt sich diese Arbeit zu machen, weil dies der Weg zu innerem Wohlbefinden,  zu besserer Gesundheit und zu einem selbstbestimmten Leben ist.

Es bedarf aber einer Entscheidung, diesen Weg unbedingt finden und gehen zu wollen. Und wenn diese Entscheidung innerlich getroffen ist, wie mein Lieblingsdichter sagte: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen“ – Johann Wolfgang von Goethe. 

Viel Erfolg auf diesem Wege!

Herzlichst

Nana

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