Mindset und Gefühle

von | 01.10.18. | Mindset, Persönlichkeitsentwicklung

Hast Du den Satz „Reguliere Deine Gefühle…“ schon gehört?
Ich habe ihn sogar in einem Bestseller gelesen als Aufforderung an alle, die ihr Leben besser in den Griff bekommen wollen. Das ist schon einige Zeit her, ich habe mir damals den Satz mit ein paar Bemerkungen notiert und unterschiedliche Fälle in der letzten Zeit haben mich dazu geführt, dem Thema diesen Beitrag zu widmen.

Dieser Satz ist eine Aufforderung an Dich, Deine Gefühle und deren Intensität selber zu bestimmen. So ähnlich wie Du mit einem Regler Deine Heizung regulierst. Dagegen spricht nichts – dies ist unser Wunschziel. Unsere Gefühle bestimmen unser Leben und wenn wir in der Lage sind, unsere Gefühle zu bestimmen (regulieren), dann sind wir aktive und uneingeschränkte Gestalter unseres Lebens. Der Satz klingt zwar einfach, aber realisieren lässt er sich nur in einem intensiven und oft langen Prozess. Die Länge dieses Prozesses und seine Endergebnisse sind von mehreren Faktoren abhängig.

Wenn Du Dir so eine Aufforderung „Reguliere Deine Gefühle…“ schon mal zu Herzen genommen hast, dann weißt Du ganz genau, dass dieser Satz am Anfang dieses Prozesses nicht viel bewirkt, außer ein Gefühl der Hilflosigkeit oder sogar ein schlechtes Gewissen mit der Erkenntnis, dass wir anscheinend unsere Umwelt mit unseren Gefühlen belasten.

Ich betrachte mit gewisser Skepsis Bücher/Kurse, die uns angeblich Therapien/Coachings ersparen wollen, weil ich diesen Weg selber lange Jahre versucht habe. Wenn Du diese Zeilen liest, bist Du bestimmt weit weg von mir und um Dich herum hast Du genug potenzielle Unterstützer, deren Qualität ich nicht einschätzen kann. Ich möchte Dich gut aufklären, damit bei Dir ein realitätsnaher Eindruck entsteht, der Dir in diesem begrenzten Leben Zeitverlust und Enttäuschung erspart.

Ich habe mich oft genug mit Selbstlernbüchern und Kursen beschäftigt und bin sehr zielstrebig und diszipliniert, dadurch habe ich oft erstaunliche Ergebnisse erzielen können, aber es gab immer eine Grenze  – da kam ich nicht mehr weiter – diese Grenze war dort, wo unsere Selbstschutzstrategien anfangen zu wirken (mehr zum Thema – siehe meinen früheren Blogartikel „Rede- und Sprechangst – welche Bedeutung haben hierbei Schutzstrategien?)

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Klienten, bevor sie zu mir kamen, jahrelang in Therapien waren ohne in die Tiefe zu gehen. Das finde ich erstaunlich – anscheinend wurde oft nur auf der rationalen Ebene gearbeitet. Die Ergebnisse: der Klient war gut aufgeklärt, wusste viel über die eigenen Probleme, aber eine deutliche Verhaltensänderung wurde nicht erreicht! Es liegen bekanntlich Welten zwischen Kennen und Können.

„Ich gehe mit einem leichten Gefühl zur Arbeit“ – strahlte neulich eine Klientin mich an, die ihre 3. Sitzung bei mir hatte. Es ist unbeschreiblich schön, diese Rückmeldung zu hören. Wie ist es möglich? Spätestens beim zweiten Termin gehen wir in die Tiefe, wir wühlen möglichst nicht an der Oberfläche. Ich halte aus guten Gründen davon nicht viel.

Viele meiner Klienten öffnen, nachdem wir mit der Sitzung fast fertig sind, ihr Herz und erzählen mir ihr Leben eigeninitiativ. Dann höre ich immer aufmerksam und wertschätzend zu – ich betrachte das als ein großes Vertrauen zu mir, aber ich muss das alles nicht wissen, um meine/unsere Wunschergebnisse zu erzielen. Ich habe mich immer wieder gefragt, woher diese Eigeninitiative kommt? Großenteils, weil sie sich bei mir sicher fühlen und ich kann nicht oft genug betonen, wie groß ich das wertschätze, aber teils geschieht es auch, weil sie es von den vorherigen Therapien gewohnt sind, alles zu erzählen.

Die Information, dass es in meiner Praxis anders abläuft und dass ich nur Antworten auf meine gezielten Fragen benötige, bekommen sie schon am Anfang, aber vielleicht klingt es unglaublich, dass mir diese karge Information reicht. Es gibt übrigens eine wunderbare Methode, die noch nicht einmal diese karge Information braucht, aber erstaunliche Ergebnisse erzielen kann: diese Methode heißt Yager Code. Vielleicht schreibe ich irgendwann einen Beitrag darüber, aber jetzt zurück zu unserem Thema.

Stellen wir uns vor: etwas, das möglicherweise für Außenstehende nicht so gravierend erscheint, hat Dich aus der Bahn geworfen, Dein Gefühls- und Gedankenkarussell ist voll im Gange und schon wieder spürst Du quälende Anspannungen und Unruhe in Deinem Körper. Und Du weißt, dass dieser Zustand erfahrungsgemäß mehrere Tage sogar Wochen dauern kann.

Du spielst diese belastende Situation immer wieder in Deinen Gedanken durch, suchst Dir Erklärungen, Rechtfertigungen, klärst Schuldfragen und wenn Du diese gedanklichen und gefühlsmäßigen Kreisbewegungen allein nicht mehr aushalten kannst, besprichst Du es mit anderen.

Diese Gespräche erreichen Dich nur auf der Kopf-Ebene, Deine Schmerzen, Dein Unwohlsein wird aber dadurch nicht gemindert. Jedes Detail hat ein großes Gewicht in Deiner Geschichte, Du merkst aber, dass diesen Details, sei es ein Wort, ein Satz, eine Geste von Deinen Gesprächspartnern nicht das gleiche Gewicht beigemessen wird wie von Dir.

Wenn das der Fall ist, fühlst Du Dich sogar missverstanden und nicht genug unterstützt.

Du merkst deutlich, welche dramatische Wirkung dieser Fall auf Dein Lebensempfinden hat und diese Macht gönnst Du ihm nicht. Aber Du spürst Dich zu hilflos, etwas an der Situation zu ändern. Du fühlst Dich teils wie gelähmt, teils im heftigen Wechselbad der Gefühle.
Die Realität im akuten Zustand sieht oft so oder ähnlich aus: Du kannst Deine Emotionen nicht gut mit dem Kopf steuern. Der Schmerzpunkt liegt im Bauch-, Brustbereich, Unterleib oder im Hals. Der Kopf ist am Anfang meistens völlig ausgeschaltet, auch wenn wir eine gute Miene zum bösen Spiel machen.

In dieser Situation helfen die tollsten Aufklärungen nicht, auch wenn Dein Verstand deutlich sagt, dass Du z.B. keine Schuld trägst und eine Schar der Wohlgesonnenen laut rufen würde: „Du trägst keine Schuld“ – die quälenden Schuldgefühle sind da! Warum gerätst Du sonst immer wieder in solche Situationen? Es muss ja auch etwas an Dir liegen…

Oder Du bist wieder ein Opfer der bösen Umwelt und die anderen sind schuld! Wer sonst? Menschen aus Deiner Umgebung, die die Situation anders sehen als Du, verspielen schnell Dein Vertrauen.

Ich halte die möglichen Reaktionen der Umwelt: „da brauchst Du keine Schuldgefühle zu haben, zieh Dir diesen Schuh nicht an“ oder „Du hast möglicherweise auch etwas dazu beigetragen“ – wenig hilfreich, oder sogar kontraproduktiv.

Sie geben Dir keine oder wenig Chancen, Deine Gefühle zu akzeptieren, zu ihnen zu stehen.

Das ist der erste notwendige Schritt in dieser äußerst unerfreulichen Situation. Du wirst sogar unter Druck gestellt, um Deine Emotionen zu leugnen. Also wenn es nach deren Einschätzung keinen ernsthaften Grund gibt, es Dir aber trotzdem nicht gut geht, dann wird Dir dadurch suggeriert, dass Du Dir etwas einbildest oder ein super sensibles Wesen bist, das seine eigene emotionale Welt nicht im Griff hat! Viele bekommen (noch mehr) Schuldgefühle, spüren sogar Scham für den eigenen Zustand. Das ist wirklich nicht zielführend!

Mit Menschen zu sprechen, die Dir mitfühlend zuhören ohne Ratschläge zu erteilen, ist zwar wünschenswert, aber schwer erreichbar. Unsere Mitmenschen wollen uns gerne von unserem Leid befreien, wenigstens unseren unerfreulichen Zustand mildern. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken, Dir nur still zuzuhören. Und es wäre auch nicht fair, jemandem diese Rolle zuzumuten. Aber ein gutes Gespräch wäre jetzt für Dich hilfreich, selbst wenn Deine Schmerzen und negative Stimmungen dadurch nicht verschwinden würden.

Von meinen Klienten weiß ich, dass wir unterschiedliche Zeiten brauchen, um diese Schmerzen zu verarbeiten, bis endlich Klarheit und Ruhe einkehren.

 Irgendwann werden die Schmerzen und Anspannungen weniger – die Zeit heilt alle Wunden, irgendwann kannst Du dem Alltag wie gewohnt nachgehen, irgendwann vergisst Du sogar diesen Fall bis die nächste Lappalie Dich wieder aus der Bahn wirft und das alte Karussell wieder in Gange kommt…

Was können wir tun, wenn der Zug der Gefühle in Fahrt gekommen ist?
Mit meinen Klienten übe ich die Präventionsstrategie, sie ist aber heute nicht das Thema. Tatsache ist, dass wir mit unserem Verhalten einiges vermeiden können. Manche Menschen schränken sogar die Außenkontakte erheblich ein und gehen nur in defensiver Haltung aus dem Haus. Das ist für mich keine Lebensqualität. Wir können nicht zu unserer Lebenserfüllung finden indem wir das Leben vermeiden. Aber eine gewisse Haltung hilft uns am Anfang, die Wahrscheinlichkeit solcher Streßsituationen zu reduzieren, damit wir unsere Energie schonen.

Wir können nicht zu unserer Lebenserfüllung finden indem wir das Leben vermeiden.

 Viele meiner Klienten erzählen mir, dass sie gerne Ratgeber zu den Themen Stressreduktion, Persönlichkeitsentwicklung lesen, Yoga und Meditationen täglich oder mehrmals in der Woche machen.

Zudem sind sie bewusst um eine lebensbejahende Haltung sehr bemüht und es läuft auch alles einige Zeit super und plötzlich kommt etwas unerwartet: eine Reaktion, ein Kommentar – und der Boden unter ihren Füßen gleitet weg…, spätestens dann wissen sie genau, dass die Wunden/Probleme nicht weg sind. All das, was sie gemacht haben, war eine tolle aber doch eine oberflächliche Behandlung und Betäubung.

Um Deine Wunden heilen zu können, musst Du in die Tiefe gehen und dafür brauchst Du eine professionelle Begleitung; sie zu finden ist auch keine Selbstverständlichkeit –  schätze Dich glücklich, wenn Du sie hast.

 „Ich war mehrere Tage-, wochenlang nicht zu gebrauchen“  – also wenn die Gefühle Dich so überfluten, dass Du keinen Ausweg mehr weißt, dann solltest Du alles unternehmen, damit der Schmerz weniger wird: ich meine hier keine Zigaretten, Alkohol, Essen etc. Versuche es lieber mit der folgenden Strategie:

  • Lasse Deine Gefühle zu, Du wirst das ungern tun, weil es weh tut, aber das ist jetzt der richtige Weg für Dich. Unsere Schutzmechanismen lassen oft keinen Zugang zu unseren Gefühlen zu. Wir sind oft zu sehr aufgewühlt, um Beobachtungen durchzuführen, aber wenn es Dir möglich ist,

frage Dich:

  1. Was spüre ich jetzt?
  2. Wie fühlt sich dieser Schmerz an?
  3. Wo genau in meinem Körper?
  4. Kenne ich ähnliche Situationen aus meinem Leben?

Gib Dir bitte die Antworten und notiere sie unbedingt. Ich empfehle Dir, Deine Notizen mit Deinem Handy, wenn es geht mit einer Diktier-Funktion aufzunehmen, dann hast Du sie in schriftlicher Form.

  • Bewege Dich draußen – tue das, was Dir angenehm ist: Spaziergang, Fahrrad fahren, Gartenarbeit. Dabei kannst Du die Antworten auf die o. g. Fragen suchen. Ich persönlich mache einen Spaziergang allein, möglichst ungestört, aber in sicherer Umgebung. Notizen nehme ich gerne beim Laufen auf. Nach 40-60 Minuten fühle mich klarer und wohler. Oft habe ich schon eine Erkenntnis. Mittlerweile bin ich eine Fortgeschrittene in diesem Bereich und es gab früher auch andere Zeiten für mich. Ich möchte Dich mit meiner Erfahrung motivieren und Dir zeigen, dass es möglich ist, die Zügel Deiner Lebenskutsche in Deine eigenen Hände zu nehmen. Es ist möglich und Du bist es wert, Dein einzigartiges Leben ist es wert, dass Du es tust.
  • Das war die Strategie für den akuten Fall. Das Beste was Du tun kannst ist, herauszufinden, warum Du sehr sensibel auf bestimmte Themen und Verhaltensweisen reagierst. Dir ist klar, dass all diese Situationen ein ähnliches Muster haben, auch wenn sie völlig unterschiedlich sind. Es sieht so aus, als hättest Du einen sehr sensiblen und schmerzhaften Punkt in Dir, und jede auch zufällige Berührung mit diesem Punkt löst bei Dir diese unerfreuliche Reaktion aus. Dieser schmerzhafte Punkt ist mit einem negativen Kernglaubenssatz von Dir verbunden.

Ich gehe davon aus, dass Du meine Blogbeiträge liest und genau weißt, was ein Kernglaubenssatz ist…? Übrigens bekommst Du meine Blogbeiträge per Email zugeschickt, indem Du meinen Infoletter abonnierst. Ich schreibe ca. 2 Blogbeiträge im Monat, habe aber keine festen Zeiten, der Praxisalltag erlaubt mir nicht immer eine feste Planung, daher ist der bequemste Weg für Dich, um meine Blogbeiträge zu lesen, mein Abonnement zu werden. So entgeht Dir nichts und sei unbesorgt über Deine Daten – Ich halte mich an den Datenschutz. Bitte hab Verständnis, dass mich diese neuen Datenschutzbestimmungen derart verunsichert haben, dass ich die Kommentarfunktion bei meinen Blogartikeln ausgeschaltet habe, solange, bis ich Klarheit über die Situation habe.

Diesen Kernglaubenssatz müssen wir herausfinden. Da dieser Glaubenssatz möglicherweise in Deiner früheren Kindheit entstanden ist und danach jahrzehntelang gefestigt wurde, ist es nicht einfach, ihn über den Verstand dingfest zu machen. Deine Gefühle sind der Pfadfinder. Hier stößt Du mit großer Wahrscheinlichkeit an Deine Grenzen. Das Beste, was Du jetzt machen kannst, ist einen Therapeuten oder Coach Deines Vertrauens zu finden und Dir helfen und Dich begleiten zu lassen.

Im nächsten Schritt muss der gefundene Glaubenssatz verändert werden, dieser negative Glaubenssatz muss also gelöst und durch einen anderen Glaubenssatz, der zu Dir und zu Deinen Lebenszielen passt, ersetzt werden. Dies hört sich einfach an, ist es auch, wenn Du einen passenden Coach/Therapeuten findest. Der neue Glaubenssatz muss aber gefestigt werden, sonst riskierst Du Rückschläge (siehe hierzu meinen Blogartikel: Mindset-was blockiert Deinen Erfolg?).

Daher lass Dich einige Zeit begleiten, aus meiner Erfahrung halte ich es für ratsam, diesen lebensverändernden Prozess 6 Monate lang mit unterschiedlichen Techniken zu begleiten. In dieser Zeit verpflichte ich meine Klienten zu sog. Hausübungen  (keine Sorge – es sind keine zeitaufwendigen und unliebsamen Hausaufgaben, sie machen pure Lebensfreude!). Jeder Fall ist individuell, und diese Besonderheit muss besprochen und gewürdigt werden.

Nur durch eine gute Teamarbeit ist es möglich, die gewünschten Veränderungen zu schaffen. Team – das sind ich und mein Klient/meine Klientin. Nur so ist es möglich, sich von jahrzehntelang gefestigten inneren Zwängen und Mustern zu befreien.

Und es lohnt sich! Es gibt keinen größeren Erfolg als einen Weg zu sich zu finden, mit sich ins Reine zu kommen und der große Verbündete von sich selbst zu werden, um das innere Gefühl der Stimmigkeit, Stabilität und Freude zu erreichen.

Viel Erfolg auf diesem Wege!

Herzlichst

Nana

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◊ Dieser Artikel passt gut zum Thema: Mindset verändern – schnell und schmerzfrei?

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Nana Schewski

Nana Schewski

Gesundheitspädagogin M.Sc., Coach/Mentaltrainerin und Heilpraktikerin nur zur Psychotherapie zugelassen

Sowohl online als auch in meiner Praxis unterstütze ich meine Klienten/Patienten dabei, ihre Probleme zu verstehen und zu lernen, sie zu lindern/heilen um ihr Leben gesünder, angenehmer und erfolgreicher zu gestalten.

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