von Nana Schewski | 27.11.2021 | Kindheitsprägungen, Persönlichkeitsentwicklung
Ein gesundes und zufriedenes Leben, wer will das nicht? Nur: Der Weg zur Lebenszufriedenheit ist oft stolprig und voller Hindernisse. Das größte Hindernis liegt in uns selbst. Das ist unsere Einstellung zu uns: zu wenig Selbstliebe, zu wenig Gefühl der Fülle und zu viel defizitäre, kritische Gedanken und Stimmungen.
Ein lächelndes süßes göttliches Baby passt sich seiner Welt an, lässt sich formen, um Zuwendung und Überleben zu sichern oder geht irgendwann in ewigen Widerstand, um sich zu wehren und dabei verlernt es den Zugang zu der eigenen Einzigartigkeit.
Dann vergehen Jahre und es kommt die Zeit, Halt zu machen und sich neu zu entdecken. Das Wort Selbstliebe ist oft unterschiedlich interpretiert. Ich würde lieber beschreiben, was ich damit meine: ein ruhiges, schönes, fürsorgliches, heimisches Gefühl mit sich selbst. In der Ruhe liegt die Kraft und Selbstliebe ist sehr kraftvoll. Sie bedeutet, mit einem inneren liebevollen Blick sich selbst betrachten zu können, nicht weil Du so ein toller Kerl /eine tolle Frau bist, sondern weil es Dich gibt.
Wie kommen wir zu diesem Zustand?
Ein Mangel an Selbstliebe führt zur Entstehung unterschiedlicher Beschwerden und Krankheiten. Können wir uns Selbstliebe verordnen?
„Liebe Nana,
Vor einem Jahr hat sie mich kalt erwischt…
Diese Krankheit, diese dunkle Wolke (wie ich sie nenne)…
Ich war in einem schwarzen Loch gefangen und wusste keinen Ausweg mehr…
Es war das Leben ohne Gefühle, farbenleere Existenz…
Dann landete ich bei dir…
Ich musste durch die Hölle gehen, um dieser Dunkelheit zu entkommen und du hast mich begleitet.
Geduldig, leise, behutsam…
Es war ein grausamer Weg!
Ein langer Weg voller Schmerz und Überraschungen, Leiden und unerwarteter Freude, Fragen und nicht erwarteten Antworten…
Der Weg zu mir,
oder zu sich selbst…
Nenn es, wie du willst.
Und fast ein Jahr später hat mich ein Gefühl genauso kalt erwischt wie die schwarze Wolke damals.
Es war ein regnerischer Tag, ich ging zur Arbeit…Auf ein Mal war alles anders, es war leichter, voller Farben…
Unbekanntes Gefühl ergriff mich…
Ich war leichter, heiter und mir wurde klar, dass ich verliebt war!
Verliebt in mich!!!
Das erste Mal in meinem Leben war mir diese einzigartige Liebe bewusst!
Es fühlte sich großartig,
fremd aber groooooßartig an…
Ich hatte mich!!!
ICH LIEBTE MICH?!!
Ich wusste mit jeder Faser meines Körpers, dass es ein Neuanfang war.
Es stand nichts mehr zwischen mir und mir…
Ich war frei…
Und ich musste an Dich denken…
Danke ♥“
Nach einem intensiven Tag flatterte eine Email mit diesem Text herein. Ich kenne emotionale, sachliche, zurückhaltende, überschwängliche Rückmeldungen, aber diese war eine besondere.
Ich hatte in diesem Sommer mit Miriam das 10-Stunden Coaching-Paket absolviert – erfolgreich -zumindest glaubte ich daran. Danach schrieb ich ihr mehrmals, damit sie ihren heutigen Stand und die ganze Arbeit kurz resümiert. Anscheinend war sie sehr beschäftigt, denn es kam monatelang keine Antwort. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen. Nach meiner Erfahrung ist es dann der Fall, wenn es jemandem gut geht, wenn jemand zufrieden ist. Wir wissen doch, dort wo wir unzufrieden sind, melden wir uns schnell.
Und ich irrte mich diesmal auch nicht. Ich war sehr ergriffen beim Lesen, auch dankbar und glücklich. Ich fragte sie, ob ich ihre Rückmeldung im Blog veröffentlichen dürfte. Mache was Du willst – schrieb sie mir zurück.
Ich habe den Fall vor mein inneres Auge geholt: Sie kontaktierte mich anfangs, weil sie meine Blogbeiträge über Kindheit und ihre Auswirkungen auf unser Erwachsenenleben gelesen hatte. So haben wir per Messenger gesprochen. Danach hörte ich einige Zeit Nichts von ihr, bis sie sich entschlossen meldete und mich bat, das Honorar für ein 10-Stunden-Paket auf mehrere Monate zu verteilen. Sie erzählte auch, dass sie ein Gespräch in einer Psychotherapeutischen Praxis mit Kassenzulassung gehabt hatte, am Ende sei sie dann doch ihrer inneren Stimme gefolgt und habe sich für meine Unterstützung entschieden. So hatten wir einige Termine in der Praxis, den Rest online per Zoom.
Was haben wir geschafft? Wir haben an einer sehr problematischen Beziehung zur Mutter und an einem sehr schmerzhaften Beziehungsthema gearbeitet und beide Knoten gelöst. Das ist leicht gesagt, in Ihrem Email-Text oben spürst Du bestimmt die Tiefe ihrer Gefühle. Unsere Arbeit verursachte nicht diese Gefühle. Sie waren schon da. Durch die innere Arbeit sind die Gefühle aktiviert, um sie zu lösen und zu transformieren.
Die Prüfung unserer getanen Arbeit fand dann schon nach einigen Wochen statt. Nach einem Wiedersehen mit der Mutter erzählte Miriam mir, dass sie von der Leichtigkeit des Treffens überrascht war. Es seien andere Energien als üblich zwischen ihr und ihrer Mutter zu spüren gewesen.
Wir haben bei jedem Treffen begleitend Ich-Stärkung gemacht: Übungen, Visualisierungen und vieles mehr um sie aufzubauen und innerlich zu stabilisieren und aufzurichten. Sie übte zu Hause ca. 15 Minuten täglich ihre „Hausaufgaben“.
Beim letzten Treffen haben wir ein Tool intensiv eingeübt, das Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Damit sie einen Plan hat, um sich selbst zu unterstützen.
Und was wichtig ist – wir hatten das Thema Selbstliebe explizit nicht. Wir haben 2 starke Blockaden im Unterbewusstsein gelöst und neue Glaubenssätze verankert. Ich wusste, dass die Klienten Zeit brauchen, um die Ergebnisse im Alltag zu spüren. Was sie über Selbstfindung und Selbstliebe schreibt, ist einfach eine Folge-Entwicklung unserer Arbeit. Ich habe ihr geholfen, aus dem Defizitmodus herauszukommen und ihre Wirklichkeit in ihrem Herzen neu zu definieren und dann nimmt die Entwicklung richtig Fahrt auf.
In den 10 Stunden haben wir wirklich viel geschafft. Es war selbst für mich ein sehr hohes Tempo. Jeder hat seinen eigenen Stand und Miriam hatte schon einiges versucht, bis sie zu mir kam. Und sie war verzweifelt und entschlossen etwas zu ändern.
Normalerweise brauchen wir etwas mehr Zeit für innere Veränderungen, aber nicht jahrelang. In ihrem Fall war die Bereitschaft hoch und ihr Vertrauen groß, dass ich die richtige Person für ihr Anliegen bin.
Sie erzählte mir auch, dass durch unsere Zusammenarbeit ihr Essverhalten und dadurch ihr Gewicht anders geworden seien. Wir kamen nie auf diese Themen und sie ist nicht übergewichtig. Die Erklärung ist, dass durch Lösung der inneren Blockaden gewisse innere Kräfte aktiviert werden und ein anders Bewusstsein und einen anderen Umgang mit sich selbst entstehen. Das ist ein Prozess, der weiter geht, denn alles ist in Bewegung.
Jeder Tag, gelebt in hellen inneren Farben, ist ein großartiges Geschenk. Ich weiß sehr gut, wovon ich spreche. Dafür lohnt es sich wirklich, unseren Blick auch nach innen zu richten, unsere innere Welt zu erkennen und sie wenn nötig zu heilen/transformieren. Wir nennen diesen Prozess „innere Arbeit“ und für viele klingt diese Bezeichnung nach harter Arbeit. Am Anfang brauchen wir tatsächlich Mut und Ausdauer und irgendwann fängt dieser Prozess an, ein Vergnügen zu werden. Was kann nur angenehmer sein, als in unserem Herzen Frieden, Harmonie und Liebe zu spüren? Du willst davon immer mehr und mehr.
Das sei uns allen gegönnt.
Herzlichst, Nana
◊ Du möchtest Selbstcoaching ausprobieren? Glaubenssätze, die Deine Kindheit geprägt haben, kennenlernen? Dann schau Dir die Infoseite an: ⇒hier klicken
von Nana Schewski | 14.11.2021 | Ich-Stärkung, Mentale Gesundheit
Ob Glücksgefühle oder Sorgen, Gesundheit oder Krankheit, von Geburt bis zum Ende ist unser Leben ein Gefühl: nur welches – das ist die entscheidende Frage. Die Psychotherapie könnte nach meiner Meinung so formuliert werden: Eine Kunst, die Menschen bei der Entwicklung angenehmer, stärkender und lebensbejahender Gefühle hilft.
Unsere Gefühle bestimmen die Qualität unseres Lebens und können bewirken, dass aus Dispositionen Beschwerden/Krankheiten entstehen, angeblich aus heiterem Himmel.
Jetzt machen wir eine kurze aber vielsagende Übung:
♦ Bequem und gerade sitzend (die Füße haben Bodenkontakt, die Schultern sind gerade) konzentriere Dich kurz auf Dich, atme tief ein und aus, entspanne Dich, schließe Deine Augen und schaue fokussiert auf Dein Leben zurück, auf Deine Kindheit – soweit Du Dich zurückerinnern kannst. Auch wenn Dir spontan nichts Konkretes einfällt, die damaligen Gefühle und Stimmungen wirst Du wahrnehmen können.
Welche Stimmung hat Deine Kindheit beherrscht? Welches Gefühl kommt hoch, wenn Du das kleine Mädchen/den kleinen Jungen vor Dein geistiges Auge holst? Identifiziere diese Gefühle und notiere sie.
Dann gehe bitte weiter: Grundschule – spüre in Dich hinein und beschriebe diese Zeit nur mit Gefühlen.
Die Schulzeit?
Pubertät?
Ausbildung/Studium?
Arbeitsstationen?
Halte an jeder Station Deines Lebens inne, um die dazugehörigen Gefühle zu identifizieren und schreibe sie auf.
So kannst Du Deine Biografie mit Gefühlen beschreiben und sie wird sehr vielsagend für Deinen jetzigen Zustand sein.
Auch jedes Problem in unserem Leben ist mit einem oder mehreren Gefühlen verbunden.
Jedes Gefühl ist eine Energie und die Energien haben eine Wirkung auf Dich. Stelle Dir vor, jemand ist oft verärgert und wütend und kann diese Energien nicht loswerden. Unser Körper vergisst nichts. Belastende Gefühle können so chronisch und automatisiert sein, dass der Besitzer sie gar nicht mehr als belastend wahrnimmt. Auf Dauer können diese zu ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.
Katja wirkt äußerlich sehr ausgeglichen, sie ist bei der Arbeit sachlich, ehrgeizig, freundlich. Ihre innere Welt sieht aber anders aus. Sie fühlt sich oft unsicher und hat ständig Angst, etwas falsch zu machen oder zu sagen. Die ständige Selbstkontrolle führt zu Daueranspannungen. Das Lob, das sie bekommt, kann sie nicht richtig genießen. Sie ist nur froh, dass niemand ihre innere Unsicherheit bemerkt. Das ist die einzige kleine Freude, die Katja bei der Arbeit hat. Zu Hause angekommen, kann sie sich nicht richtig entspannen und den Feierabend genießen. Auf die Frage, wann sie sich gelöst und glücklich fühlt, sagt sie spontan – niemals. Sie hat immer wieder und zunehmend Kopf-, Nacken-, Rücken-, Bauchschmerzen und das alles ohne Befund.
In so einem Fall können, wenn nichts unternommen wird, gesundheitliche Belastungen stärker werden. Medikamente einzunehmen würde Linderung mit erheblichen Nebenwirkungen bedeuten, aber das Ursprungsproblem wird dadurch nicht gelöst.
Unsere Gefühle sind wichtige Wegweiser.
Es gibt einen Weg, der zielführend ist und zur Linderung/Lösung dieser Probleme führt. Unsere Gefühle sind wichtige Wegweiser. Sie können zum Ursprungsproblem führen. So kann über die dazu gehörigen Gefühle herausgefunden werden, wann und wie das Problem entstanden ist. Im zweiten Schritt muss das alte Gefühlsmuster geändert/transformiert werden. Zusätzlich entwickeln die Klienten/Patienten ein gutes Körperbewusstsein, sie lernen ihre Gefühle besser wahrzunehmen, sie zu verstehen und auch zu verändern. Und damit sind sie für ihr weiteres Leben gut gerüstet, um zukünftige problematische Situationen selber zu meistern.
Das ist ein Prozess. Wir können unsere Gefühle nicht einfach willentlich bestellen oder abbestellen. Dafür haben sie zu tiefe Wurzeln. Aber es gibt Wege und Möglichkeiten, die einen Zugang zu diesen Gefühlen und deren Transformation ermöglichen. Und diese sind erlernbar und machbar.
Nun gibt es Leute, die diesen wichtigen Schritt nicht wagen oder ihn jahrelang hinauszögern bis das Leiden unerträglich wird. Dafür gibt es mehrere Gründe:
– Ein sehr wichtiger Grund ist, dass viele Menschen Ängste vor ihren inneren Wunden/Schmerzen haben. Das ist ein ernstzunehmender Grund. Jeder von uns hat s.g. Selbstschutz-Mechanismen. Sie haben die Aufgabe, uns vor unangenehmen Erinnerungen und Schmerzen zu schützen. Sie bewirken, dass die Klienten/Patienten ihre Termine vergessen, oder sogar plötzlich gute Gründe haben, Termine weiter zu verschieben oder gar zu beenden. Interessanterweise passiert so etwas oft gerade dann, wenn die Zusammenarbeit wirklich gute Früchte trägt. Was nach Selbstsabotage aussieht, hat oft andere Gründe: Jede innere Veränderung braucht Zeit für Verarbeitung und Verinnerlichung. Daher sind in der Psychotherapie und auch im Coaching Fingerspitzengefühl und Flexibilität erforderlich.
Was wir nicht kennen, macht uns Angst. Die eigenen Gefühle innerlich zuzulassen, der eigenen Biografie mit offenem Auge und Herz zu begegnen – dies kennen wir oft nicht. Wir bereisen die entferntesten Ecken der Welt, aber sind nicht imstande, tief in unsere Seele zu blicken.
Ich versuche, meinen Klienten/Patienten Schmerzen zu ersparen und schon am Anfang deren innere Stabilität zu stärken, bis sie an einen Punkt gelangen, an dem sie selber merken, wie viel Freude und Befreiung durch diese innere Arbeit/Kommunikation entsteht.
– Viele Menschen können sich nicht vorstellen, in die eigene Gesundheit zu investieren, weil sie es nicht gelernt haben. Ich hatte mehrere Beispiele, in denen die potentiellen Klienten für ein kurzes klärendes Gespräch zur Praxis kamen, und es nicht leicht hatten wegzugehen, weil sie sich so wohlfühlten. So sagten sie mir wiederholend, wie gerne sie meine Unterstützung hätten. Aber das Vorhaben scheiterte daran, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernahm. Hinterher bekam ich sogar Emails, die mir weiterhin den Wunsch versicherten, sich von mir helfen zu lassen. Mir war klar, dass es nicht um finanzielle Engpässe ging, sondern um das fehlende Bewusstsein, für das eigene Wohlergehen zu bezahlen.
Dieser Punkt ist auch ein wichtiger Indikator für praktizierte Selbstliebe. Reisen, die Möbel, sogar die Fingernägel dürfen etwas kosten, aber nicht die eigene Seele, nicht die innere Welt, die unser Leben, unsere äußere Realität bestimmt.
– Ein sehr weiterer Grund ist das Unwissen: Wenn wir nicht wissen, wie es ist, sich gut, geerdet, innerlich harmonisch und stabil zu fühlen, und das ohne irgendwelche Hilfsmittel, dann vermissen wir auch nichts: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Worin besteht das wahre Glück unseres Seins? In Gefühlen, die uns Sicherheit, Leichtigkeit, Zufriedenheit, Freude und innere Stabilität geben und damit zu unserer Realität werden. Wenn diese aufbauenden und stärkenden Gefühle die Oberhand über die negativen haben, dann ist ein geglücktes, angenehmes Leben möglich. Das sei uns allen gegönnt.
Herzlichst, Nana
◊ Um Deine Gefühle zu erforschen, ist es wichtig, die eigene Verletzlichkeit zu erkennen. Diese Anleitung ist eine Willkommensbegrüßung an Dich in meiner Community – mehr Info findest Du auf den Seiten Kontakt oder Meine Angebote.
◊ Möchtest Du ca. 1-2 mal im Monat meine Beiträge zu meinen Themen bekommen? Dann abonniere bitte meinen Infoletter ⇓⇒
von Nana Schewski | 03.11.2021 | Kindheitsprägungen, Psychosomatik
Ich habe alles um glücklich zu sein, warum bin ich es nicht? – fragt sie mich. Finanziell sorglos, Kinder schon aus dem Haus, fürsorglicher Ehemann, „ich habe alles, aber ich kann das Leben nicht genießen!“ Wo liegt das Problem? Sie hat körperliche Beschwerden ohne Befund – sog. psychosomatische Beschwerden.
Wir stellen uns vor, da kommt ein Baby zur Welt: winzig, hilflos, abhängig, mit Bedürfnissen und schon mit eigener Persönlichkeit und Geschichte. Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit dieses Baby später als Erwachsener sein Leben erfüllend und toll findet.
Ein wichtiger Faktor ist die Stimmung im Elternhaus.
Ein Baby wird nicht fröhlich sein, wenn um es herum gedrückte Stimmung herrscht. Es nimmt alles auf, das Elternhaus ist seine Welt.
Ich habe einmal eine Person kennengelernt, bei der mir ihre schwere Ausstrahlung auffiel. Im Gespräch, nachdem sie von meinem Beruf erfuhr, erzählte sie mir, dass Ihr Vater lange unter Depressionen litt und sein Leben mit Selbstmord beendete. Die Tochter litt ebenfalls lebenslang unter ihrer eigenen gedrückten Stimmung und Freudlosigkeit, ohne für sie erkennbaren Grund.
Unser Elternhaus formt uns und es ist sehr schwer oder sogar unmöglich, seinem Einfluss zu entfliehen, weil wir in unserer Kindheit von den Eltern sehr abhängig sind und viele Prägungen alternativlos übernehmen. Wir müssen sie annehmen um zu überleben. Ein Baby/Kleinkind weiß ganz genau, dass es sich die Zuwendung der Eltern sichern soll.
Später wollen viele von uns bewusst alles anders machen als die Eltern, um dem Nachwuchs das selbst erlebte Leiden zu ersparen, aber das Unbewusste ist oft einfach stärker als unser Verstand. „Mein Gott, ich rede schon wie meine Mutter“. – Dieser bekannte Satz ist ein klares Beispiel für unsere Hilflosigkeit gegenüber den mächtigen frühkindlichen Prägungen.
Jedes menschliche Wesen kommt mit einem bestimmten Potential zur Welt. Wieweit es dieses Potential entfalten kann und seinen eigenen Weg im Leben findet, ist sehr vom Zusammenspiel seines Wesens mit den Einstellungen/Handlungen der Eltern abhängig. Harmonieren diese Faktoren, dann hat das Kind ein großes Los gezogen, wenn nicht, dann entstehen Konflikte. Das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidet auch, ob das Kind einen stillen oder lauten Protest wählt, um seine Bedürfnisse durchzusetzen.
Aber egal wie es kommt, es ist in diesen Konflikten eine abhängige hilflose Partei. Daher wird der Konflikt beim Kind irgendwann ins Unterbewusstsein verlagert und dann oft durch Beschwerden/Krankheiten auf körperlicher Ebene zum Ausdruck gebracht. In diesem Fall entsteht ein inneres Muster zur seelischen Entlastung des Kindes und zur Verbesserung der Beziehung zu den Eltern. In der Fachliteratur nennt man das den primären und sekundären Krankheitsgewinn.
Ein krankes Kind bekommt mehr Zuwendung und Nachsicht, und sein Zustand verändert die Beziehung zwischen Eltern und Kind wenigstens vorübergehend. Dieses Reaktionsmuster ist hilfreich für das Kind während seiner Abhängigkeit von den Eltern, es schont das Kind und dient seinem Überleben. Hierbei entstehen Glaubenssätze, die das Leben des Kindes für immer prägen werden.
Das Problem ist, dass dieses verinnerlichte Reaktionsmuster das Kind auch im späteren Erwachsenenalter begleiten wird. Das wirkt wie ein Programm, getriggert/ausgelöst durch „etwas“ läuft es automatisch ab. Dieses „etwas“ kann aus jetzigem Blickwinkel eine Lappalie oder sogar noch nicht mal wahrnehmbar sein. Und das alles passiert jetzt ohne Eltern, sie können sogar verstorben sein.
Diese ungünstigen Programme in uns wirken wie Glut unter der Asche und belasten unsere körperliche und psychische Gesundheit, unser Wohlbefinden. Sie kosten uns viel Energie. Ohne dass unser Bewusstsein es merkt, können sie schnell Feuer verursachen, in dem unsere Stimmung und unser Wohlbefinden verbrannt werden. Damit sind plötzliche, angeblich aus heiterem Himmel kommende Beschwerden gemeint. Wiederholende Beschwerden ohne organischen Befund sind oft Zeichen dafür, dass ein innerer Konflikt hochgekommen ist und gelöst werden soll.
Daher ist es in unserem Interesse, die Programme zu erkennen, die verletzten inneren Teile zu heilen und zu integrieren. Dieser Prozess ist auch ein sehr wichtiger und interessanter Schritt in unserer Persönlichkeitsentwicklung. Er gibt uns die Möglichkeit, unseren inneren Kern kennenzulernen, das Kind in uns lieben zu lernen und uns endlich stimmig, innerlich gefestigt, vereint und leicht zu fühlen. Die Leichtigkeit kommt, wenn wir all das abstreifen, was uns aufgezwungen wurde, was nicht zu uns gehört und schon lange nicht mehr passt.
Viele Menschen wagen diesen Schritt nicht, weil sie Angst davor haben, ihr Bild von den Eltern zu zerstören, besonders wenn die Eltern in gebrechlichem Alter sind. Mein Schreiben und Wirken ist keine Anklage gegen Eltern. Sie haben gemacht, was sie damals für richtig hielten oder was sie damals machen konnten. Aber ohne, dass wir unsere Augen auf die Wahrheit richten, können wir nicht vorankommen. Es kann auch nicht im Interesse der Eltern sein, dass die damals entstandenen Programme uns das Leben schwer machen und unsere Gesundheit und unser Wohlergehen gefährden.
Also habe den Mut in Deinem einzigartigen Leben, Deiner Einzigartigkeit neu zu begegnen, ohne Vorurteile, ohne Bedingungen! Mach es für Dich, für Deine Nahestehenden, für die bessere Welt um Dich herum.
Wenn wir unser Herz für das damals unter Druck stehende Kind öffnen und es trösten und annehmen, dann sind wir wahrlich in der Lage, unserem Mitmenschen mehr Herzenswärme und Verständnis entgegen zu bringen.
Es ist ein Prozess, keine Blitz -Transformation über Nacht, es ist ein besonderer Weg zu Dir selbst, auf dem Du vieles Interessantes über Dich und Deine Familie entdeckst. Der erste Schritt in diesem Prozess ist: Entscheide Dich und sage JA zu diesem Prozess!
Wenn Du Dich von mir dabei begleiten und unterstützen lassen möchtest, dann schreibe mir eine Email, buche ein Gespräch oder rufe mich einfach an.
Oder schaue um Dich herum und finde Deine Vertrauensperson, die Dir helfen kann, diesen wertvollen Weg zu gehen. Dieser Prozess kann nicht allein und auch nicht nebenbei gemacht werden. Dein starker Wille und Deine Hingabe sind unabdingbar für die Ergebnisse, die Dich glücklich machen werden.
Ich wünsche Dir von Herzen ein gutes Gelingen!
Herzlichst, Nana
◊ Hier ist die Kontakt-Seite »
Dieser Beitrag passt zum Thema: Krank durch innere Anspannung