Der Mangel in uns

Der Mangel in uns

Hinter jedem psychischen Problem steht ein Mangelgefühl, das uns oft unbewusst ist und deswegen umso stärker auf unser Leben wirkt: es drückt unser Selbstwertgefühl mächtig herunter, schafft Minderwertigkeitskomplexe, zwingt uns stetige Opfer- und Konkurrenzgedanken auf und verursacht viele Beschwerden und Probleme in unterschiedlichen Bereichen des Lebens: Gesundheit, Beziehung, Karriere, persönliche Entwicklung.

Wenn wir die Welt um uns herum aus dem inneren Mangelzustand wahrnehmen und entsprechend agieren, stehen wir stets auf der schattigen Seite des Lebens. Als hätten wir andauernd eine dunkle Brille aufgesetzt, die alles um uns herum grau und farblos erscheinen lässt. Auch Sonne verliert ihre Strahlkraft, wenn die Gläser lichtresistent sind. Aber sie scheint weiter, nur woanders.

Der innere Mangel drückt sich in defizitären Gedanken aus. Woran merken wir das? In allem: Gesichtsausdruck, Mimik, Körpersprache, Haltung, Stimme, Formulierungen z.B. mit viel „aber“, viel Skepsis, pessimistische Gedanken,  ständiger Sorgen-Modus, Freudlosigkeit, Fokus auf das, was knapp ist, Unfähigkeit, volle Dankbarkeit und Zufriedenheit zu empfinden.

Wenn das Mangelgefühl stark unsere innere Welt prägt, dann sind wir nicht nur ein wandelndes Mangel-Wesen, sondern wir ziehen auch alles, was mit dem Mangel zu tun hat, kräftig an.

Das innere Mangelgefühl kann zu den defizitären Glaubenssätzen hinzugerechnet werden: Es ist nicht genug da, ich bekomme nicht genug, es reicht nicht für mich, ich genüge nicht, ich kann alles (wieder) verlieren, für mich wird nicht gut gesorgt, etc.

Es ist möglich, in finanziellem Wohlstand zu leben und dabei sehr starke Mangelgefühle zu haben. In diesem Fall sind sich die Betroffenen ihres inneren Defizits nicht bewusst. Das Leben fühlt sich aber für diese Menschen nicht glücklich und leicht an. Ein Klient berichtete mir ungefragt von seinen teuren Reisen und wirtschaftlichem Erfolg, ließ sich aber monatelang Zeit, um meine Honorar-Rechnungen zu bezahlen. Wenn ich ihn mehrmals nicht daran erinnert hätte, hätte er überhaupt nicht gezahlt. Mit unserer Zusammenarbeit war er aber zufrieden und auch beim Kontaktieren hat er stets freundlich versichert: natürlich würde er bezahlen, aus zufälligen Versehen sei dies bis jetzt nicht erfolgt. Diese Zufälle!

Einmal buchte jemand bei mir ein online Info-Gespräch, das ich immer wieder kostenfrei und unverbindlich anbiete, um meinen potenziellen Klienten neben den Blogbeiträgen eine gute Möglichkeit zu geben, mich kennenzulernen und alle Fragen zu stellen, wenn sie an Psychotherapie oder Coaching interessiert sind.

Eine sorgenvolle Miene, stetiges Fokussieren auf das, was bisher nicht gut geklappt hat und was künftig problematisch sein könnte. Sie hatte jahrelange Gesprächstherapie ohne nennenswerte Ergebnisse hinter sich. Das stetige Gefühl des inneren Mangels an Vertrauen ins Leben, in sich selbst, ihrer Welt und mir gegenüber war fast in jedem Satz und ihrer Körpersprache zu spüren. Ich sah ihre Not und ihre Gefangenheit darin.

Kann ich diesem Menschen helfen? Nur dann, wenn sie offen genug ist, etwas anders als bisher zu machen, wenn sie mir Vertrauen schenkt und wenn sie den Mut hat, sich auf einen neuen Prozess einzulassen. Wenn Ihre Gefangenheit in ihrem inneren Defizit groß ist, könnte das bedeuten:

– dass an allen Methoden etwas auszusetzen sei

– Sie würde es schwer haben, mir und auch dem Prozess Vertrauen zu schenken

– Sie würde nicht daran glauben, dass ihre Situation verbessert werden kann.

Es ist bedauerlich, aber nicht jeder/Jedem kann geholfen werden, wenn die Bereitschaft, die Hilfe anzunehmen, nicht vorhanden ist. Es kann sogar so sein, dass der innere Mangelzustand so heimisch geworden ist, dass man sich darin gerne suhlt und alles tut, um darin zu bleiben. Diesen Fall beschreibe ich so, dass irgendwann ein negatives inneres Programm zustande gekommen ist und das Leben dann ein entsprechendes Echo zurück gibt. Das würde bedeuten, dass diese Person überall Probleme sieht oder hat: Familie, Beruf, Beziehungen. Das passiert oft, wenn der innere Mangel generationsübergreifend existiert.

Der innere Mangel hat mit nicht gelebter Selbstliebe zu tun. Eine liebevolle und positive Einstellung zu sich selbst kann nur entstehen, wenn unsere Ursprungsfamilie dies zulässt. Oft waren unsere Eltern selber durch inneren Mangel geprägt und gaben ihn unreflektiert an uns weiter. So wurde daraus ein generationsübergreifendes Mangel-Bewusstsein, auch dann, wenn die jetzige Generation in finanziellem Überfluss lebt.

Meine Tochter hatte in ihrer Kindheit ein Kind zu Besuch, dessen Eltern ich gut kannte. Nach dem Essen spielten sie im Kinderzimmer. Das kleine Mädchen begeisterte sich an einem Spielzeug. Es sagte, dass sie dies gerne auch haben würde. Ich fand dieses Spiel sehr entwicklungsfördernd und es kostete auch nicht viel. Zudem wusste ich genau, dass der Preis für diese Familie kein Problem sein dürfte. So sagte ich, dass ich toll finde, dass sie das Spiel mag und haben möchte, ich würde ihren Eltern davon erzählen, damit sie auch so ein Spiel bekäme. Zu meiner Überraschung sagte dieses kleine Mädchen mit Bestimmtheit: Nein, ich kann es nicht bekommen, meine Eltern haben kein Geld! Ich war sprachlos. Später fand ich im Gespräch mit ihrer Mutter heraus, dass sie das ihr zur Verfügung stehende Geld nicht für Spielsachen ausgeben wollte, weil sie fand, dass dies eine Aufgabe des Vaters sei. Um Diskussionen und Erklärungen mit der Tochter zu vermeiden, wies sie jede Bitte mit der kurzen Begründung „ich habe kein Geld“ zurück.

So können defizitäre Glaubenssätze entstehen, weil die Kinder nicht die Wahl haben, die Absichten ihrer Eltern zu hinterfragen und zu verstehen. Je nach Individualität des Falles ist es möglich, dass diese Worte „Kein Geld“ später zum Trigger werden und selbst in einer unbeteiligten Situation ein Mangelgefühl/ein Unbehagen/einen inneren Schmerz verursachen, ohne dass der Betroffene dafür eine logische Erklärung hat.

Ein Mangelgefühl bedeutet ein niedrigeres Selbstwertgefühl. Das versucht man mit allen Mitteln zu überspielen. Manche gehen sogar zum Training/Workshop, um ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen und stabilisieren. Das ist aber so, als würde man eine tiefe Wunde haben und versuchen, sie mit einer Abdeckcreme zu kaschieren. Zielführend wäre es, die Wunde richtig zu säubern und sie wiederholend mit einer guten Heilsalbe zu behandeln.

Diese Behandlung kann am Anfang weh tun so, wie die innere Arbeit auch eine gewisse Anstrengung bedeutet. Aber ein auf innerem Mangel basierendes angeknacktes Selbstwertgefühl kann nicht dauerhaft mit gesprächstherapeutischen Techniken und Affirmationen gestärkt und erhöht werden. Die Wurzeln der Problematik müssen herausgefunden und geheilt/transformiert werden. Das ist ein Prozess, zu dessen Erfolg zwei Seiten gehören: Ein Experte für innere Transformation und ein Klient, der den Willen und die Entschlossenheit mitbringt.

Sonst bleiben wir in unserer inneren Gefangenschaft haften und das ist auch kein statischer Zustand. Innere Mangelzustände produzieren stets Mangel-Ereignisse um uns herum, um sich weiter zu erhalten und machen das Leben dadurch beschwerlich. Das wiederum führt zu inneren Anspannungen, zu psychosomatischen Beschwerden, zu Beziehungsproblemen, zur Freudlosigkeit.

Diese Ergebnisse hören sich zwar drastisch an, aber sie haben eine positive Seite. Sie wollen uns auf die inneren Missstände aufmerksam machen. Durch den Leidensdruck versuchen sie, uns zu Entscheidungen zu zwingen, damit wir uns von diesem inneren Mangelzustand befreien. Nur wenn wir diese Botschaften richtig interpretieren, haben wir auch eine Chance zur Veränderung. Dann fällt es uns leicht, zu handeln. Dann sehen wir plötzlich die Wege, die wir früher nicht wahrgenommen hätten.

Mögen uns die richtigen Wegweiser zur richtigen Zeit erscheinen.

Herzlichst, Nana

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Dieser Beitrag passt gut zum Thema: Eigentlich müsste ich glücklich sein ⇒

Frohes Fest

Frohes Fest

Liebe Leserin, lieber Leser meiner Webseite,

ich wünsche Dir ein besinnliches und schönes Weihnachtsfest. Bei mir gab es am 23. Dezember eine traumhafte Schneelandschaft. Mal sehen wie lange der Schnee hier in Flensburg hält.

Das Jahr 2021 geht zu Ende und ich wünsche Dir, Deiner Familie und uns allen, dass das Neue Jahr 2022 uns positive Botschaften und persönliche Freiheiten (zurück)bringt, dass wir in der Lage sind, unsere Gesundheit und Leben selbstbestimmt zu kreieren, dass die Angst weniger wird und Lebensfreude ihren Platz einnimmt.

Ich möchte Dir jetzt meine Lieblingsübung zeigen:

– Ich sitze aufrecht, mal im Yoga-Sitz, mal die Füße auf dem Boden. Augen sind geschlossen.

– Ich fokussiere mich eine Weile auf meine Körperhaltung und Atmung, bis mein Atem langsamer und ruhiger wird.

– Dann denke ich an etwas, was ich liebe, so dass ich das Gefühl in meinem Herzen spüre.

– Dabei lege ich kurz meine Hände auf meinen Herzbereich.

– Jetzt lasse ich langsam das Gefühl wie ein goldenes Licht wachsen.

– Ich stelle mir vor, dass das Gefühl der Liebe überall in meinem Körper zu spüren ist.

– Dann lasse ich dieses Gefühl vom Herzen ausgehend wie eine goldene Lichtkugel wachsen.

– Dieser sind keine Grenzen gesetzt, wir vertrauen unserer Vorstellungskraft und lassen diese goldene Lichtkugel beliebig groß werden.

– Jetzt holen wir die Menschen, die uns lieb sind, in die Lichtkugel hinein. Bleiben wir kurz bei der Vorstellung und stellen uns vor, wie alle genug von diesem goldenen Licht bekommen.

– Die Übung beende ich mit dem Gefühl der Dankbarkeit mir, der Energie der Liebe und der Welt gegenüber.

– Dann mache ich die Augen auf und spüre in mich hinein.

Bei der nächsten Übung werde ich Dich und meine Email-Abonnenten in dieses goldene Licht holen.

Vielleicht machst Du mir diese Übung nach? So verstärken wir dieses schöne Gefühl und Du wirst Dich dabei und auch danach anders – viel besser und leichter fühlen.

Einen guten Rutsch ins Neue 2022 in Liebe und Leichtigkeit wünsche ich Dir.

Herzlichst, Nana

P.S. Für Fortgeschrittene: Dann hole ich die Personen in die Lichtkugel herein, die mir nicht lieb sind und beobachte, wie das goldene Licht sie umhüllt.

Dieser Beitrag passt zum Thema:  ⇒ Vertraue, dass es gut wird  (22.12.2019)

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Psychosomatische Beschwerden heilen

Psychosomatische Beschwerden heilen

Wenn wir unter Beschwerden/Schmerzen leiden, die keine organische Ursache haben, dann sprechen wir von psychosomatischem Leiden. Die Konflikte, die auf unserer Psyche lasten, werden auf der körperlichen Ebene zum Ausdruck gebracht. Dadurch wird unsere Seele entlastet und wir sind durch diese Beschwerden von den unerträglichen seelischen Schmerzen verschont und abgelenkt. Dieses ist ein Schutzmechanismus, der das seelische Leiden in ein körperliches umwandelt.

Die Beschwerden sind dabei so real, dass die Betroffenen irgendwann zum Arzt gehen. Dort wird nichts gefunden und dadurch entsteht zwar eine kurze Erleichterung, (man ist nicht sterbenskrank), aber die Beschwerden sind nach wie vor da.

Sie beeinträchtigen den Alltag, beeinflussen die Lebensqualität und so entsteht die Annahme, es könnte sein, dass der Arzt etwas übersehen hätte. So gehen die Betroffenen zu einem anderen Arzt und so kommt es zum s.g. Ärztehopping. Das alles soll nach den Krankenkassen enorme Kosten für das Gesundheitssystem verursachen.

Meine Meinung: Auch wenn man vermutet, dass es einen Auslöser für diese Beschwerden gibt, z.B. Stress am Arbeitsplatz, die Wurzeln liegen in der frühen Kindheit. Damit ist das Bewältigungs- und Reaktionsmuster gemeint, dass in einem zarten Alter zustande kommt und den Betroffenen nicht bewusst ist.

Anja hat seit ihrer Kindheit oft unerklärliche Bauchschmerzen mit Übelkeit. In diesem Zustand kann sie nichts essen. Im späteren Erwachsenenleben kamen unterschiedliche Beschwerden dazu. Sie spürt oft Druck und Schwere sowohl im Bauch als auch im Unterleib, zudem hat sie immer wieder Anspannungen im ganzen Körper und Kopfschmerzen, die oft unterschwellig sind. Es gibt Phasen mit Rücken- und Schulterproblemen, alles ohne Befund. Sie hat sich wegen Verdauungsbeschwerden auf Allergien testen lassen. Wegen Unverträglichkeiten meidet sie viele Nahrungsmittel und hat einige Zeit lang Essprotokolle geführt. Das alles brachte eine vorübergehende Erleichterung ohne nachhaltige Ergebnisse.

Dabei hat sie sogar gewisse Widersprüche entdeckt: Milchprodukte verträgt sie normalerweise nicht, aber es ist mehrmals vorgekommen, dass sie mit ihrer Freundin zusammen an einem schönen sommerlichen Tag eine gute Portion Eis genoss und das ohne Beschwerden. Das kann sie sich nicht erklären. Ihre Familie ist in ihre Leidensgeschichte einbezogen und macht alles mit.

Wie kann Anjas Problem gelöst werden?

Als sie zu mir kommt, ist sofort klar, dass ihre Fähigkeit, sich zu beobachten und Zusammenhänge zu erkennen, durch ihre Leidensgeschichte geschult ist. Diese Fähigkeit nutzen wir dafür, dass sie jetzt für eine Weile ihr Körpergefühl und ihre Haltung beobachtet. Die Ergebnisse sind folgend: Sie ist sogar bei einfachen Tätigkeiten, wie z.B. Telefonieren angespannt. Wenn sie auf dem Sofa liegt und einen spannenden Film guckt, passiert das Gleiche. Durch Beobachtung stellt sie fest, dass bestimmte Szenen bei ihr diese körperlichen Spannungen verursachen. Dies sind die Szenen, bei denen sie emotional dabei ist. Sie stellt fest, dass sie dabei oft unnötig in einer ungünstigen Pose verharrt, und so kann es sein, dass sie nach einer Stunde auf dem Sofa mit Knie- und/oder Rückenschmerzen aufsteht. In bestimmten Situationen merkt sie, dass sie den Atem anhält und den Bauch anspannt. Problematisch ist, dass diese Anspannung bei ihr lange erhalten bleibt. Ihre angespannten Muskeln entspannen sich schwer wieder.

Kurz gesagt: Bestimmte Gefühlsregungen, die oft unbewusst ablaufen, verursachen andauernde Anspannungen in unterschiedlichen Teilen des Körpers.

Was kann ihr helfen?

Durch Achtsamkeit kann sie die Entstehung der Anspannungen reduzieren und durch Entspannungsübungen tagsüber und/oder am Ende des Tages die Anspannung bewusst lösen.

Klüger wäre aber der Weg, der ermöglichen würde, dass möglichst wenig andauernde Anspannungen entstehen. Das würde bedeuten, herauszufinden, was genau diese Anspannung verursacht und das Reaktionsmuster zu verändern. In diesem Fall verändern wir nicht die Resultate, sondern die Wurzel der Problematik.

Anja möchte es selber mit dem ersten Weg versuchen. Und das ist verständlich. Wir glauben oft, dass wir viel Macht über unsere Gewohnheiten haben. Die Macht haben wir tatsächlich, nur ist sie oft durch den Verstand/Kopf nicht gut erreichbar.

In unserem Unterbewusstsein tiefverwurzelte Muster sind meistens stärker als der Wille. In diesem Fall kämpfen wir gegen uns, gegen unser Unterbewusstsein. In diesem kräftezehrenden Kampf ist es für unseren Verstand sehr schwer, auf Dauer zu gewinnen. Weil der Verstand gegen die Ergebnisse kämpft, während die wahren Gründe unbewusst und unbehandelt bleiben.

Mit Anja vereinbarte ich ein Programm mit Achtsamkeits- und Entspannungsübungen. Das brachte eine Linderung aber nicht die dauerhafte Lösung. Sie berichtet, dass es nicht möglich sei neben all den Tagespflichten auch sich selbst andauernd zu beobachten und sich zu entspannen. Das könne nur funktionieren, wenn sie sich den ganzen Tag nur mit sich selbst beschäftigen würde. Jedes Mal, wenn die Selbstkontrolle nachgelassen hat, fiel sie in ihr altes Muster zurück. Immerhin konnte sie durch die abendliche Entspannung viel besser schlafen.

Wie entstehen diese andauernden Anspannungen im Körper?

Meine Annahme ist folgend: In der Kindheit, in einem Alter, in dem wir von Erwachsenen abhängig sind, entstehen in der Beziehung unterschiedliche Gefühle. Wenn diese Gefühle in irgendwelcher Form nicht zum Ausdruck gebracht werden können,  sondern andauernd unterdrückt und als geballte Energie (dies könnte z.B. sein:  Trauer, Wut, Scham, Ärger, Verzweiflung, Ohnmacht, Druck, Frust, Versagensängste… ) zurückgehalten wird, dann entsteht ein Reaktionsmuster, das die zarte Kindesseele schont und das Problem auf die körperliche Ebene verlagert. Neben dieser Entlastung bekommt das Kind oft mehr Zuwendung und Nachsicht. Das festigt dieses Muster und es wird verinnerlicht und automatisiert.

Als Erwachsene reagieren wir mit diesem unbewussten automatisierten Muster jedes Mal, wenn diese Reaktion durch ein Gefühl, das diesem Muster zugrunde liegt, getriggert wird. Z.B. das Kind hat Eltern, die ihm gegenüber hohe Erwartungen haben. Es wächst auf mit Druck, Versagensangst und dem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Es versucht seinen Eltern gerecht zu werden und ist stets angespannt, um die Erwartungen zu erfüllen. Später als Erwachsener wird er versuchen Erwartungen zu erfüllen, sich selbst unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen und täglich andauernde Anspannungen zu produzieren. Dies kann zu unterschiedlichen körperlichen Problemen führen. Es ist ein falscher Weg, die so entstandenen Beschwerden mit Medikamenten ruhig zu stellen, es sei denn, es handelt sich um einen akuten Fall.

Die Lösung ist, das Muster zu entschlüsseln und es zu transformieren. Dafür müssen wir unseren Autopiloten im Unterbewusstsein teils umprogrammieren. Ich möchte dies an einem einfachen Beispiel veranschaulichen.

Nehmen wir an, Du hast einen Garten. Im Garten hast Du einen einfachen Pfad, der zum Gartenhaus am Ende des Gartens führt. Nun möchtest Du Deinen Garten mit neuen Pflanzen umgestalten und der Pfad soll ja anders laufen. Wenn Du einfach beschließt, den neuen Pfad statt des alten Pfades zu benutzen, dann musst Du Dich am Anfang sehr kontrollieren und bewusst den neuen wählen. Wenn Du müde oder abgelenkt bist, dann wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit immer wieder den alten Weg entlanglaufen. Wenn Du aber den neuen Pfad richtig anlegst oder anlegen lässt, ihn mit Steinen und Dekoration markierst und den alten Pfad durch Bepflanzung unterbrichst, wirst Du Dir und Deiner Familie damit die Gewöhnung an den neuen Pfad leichter und angenehmer machen.

Den Autopiloten in uns brauchen wir fürs Funktionieren. Er erleichtert uns den Alltag. Manchmal ist es aber in unserem Interesse, bestimmte Teile von unserem Autopiloten umzuprogrammieren/zu verändern.

Für Anjas Beschwerden würde es bedeuten, dass wir durch innere Arbeit ihre Beschwerden beleuchten, um herauszufinden, warum und wie sie entstanden sind. Und dann lösen wir dieses Muster im Unterbewusstsein und verankern ein neues. Das Neue braucht einige Zeit, um gefestigt zu werden, damit das alte Muster nicht seine Macht zurückgewinnt.

Dieser Prozess ist nicht nur eine Behandlung der körperlichen Beschwerden, sondern eine tiefgreifende Erkenntnis über uns selbst: Wie wir funktionieren, und wie viel innere Macht wir doch haben. Das stärkt uns und jeder, der diesen Weg gegangen ist, weiß das zu schätzen.

Daher betrachte Deine Beschwerden als Wegweiser zu Dir selbst. Nimm sie dankend als Chance an: In der Kindheit haben sie Dich verschont, im Erwachsenenalter geben sie Dir eine Chance, sie in Deine innere Stärke zu verwandeln. Diese Chance zu erkennen und zu ergreifen – das sei uns allen gegönnt.

Herzlichst, Nana

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