Schön altern – meine Weihnachtsgeschichte 2025

Schön altern – meine Weihnachtsgeschichte 2025

Am Vormittag des 24. Dezember fuhr ich eilig mit dem Fahrrad vom Supermarkt nach Hause. Ich hatte noch etwas schnell besorgen müssen. Meine kleine Tochter würde in wenigen Stunden ihren weihnachtlichen Chorauftritt in der Kirche haben. Die Vorbereitungen für den Heiligabend mussten unbedingt abgeschlossen sein, bevor wir uns auf den Weg machten. In den Tagen zuvor war ich durch Seminare so eingespannt gewesen, dass mir in diesem Moment die gewünschte Gelassenheit fehlte.

Der Weg führte zum Teil bergauf, weshalb ich langsamer wurde. Dabei fiel mir eine schlanke ältere Frau auf, die auf dem Bürgersteig mit ihrem Gehwagen Mühe hatte, den Anstieg zu bewältigen.

Weiterfahren oder helfen?

Mein erster Impuls war anzuhalten. Doch ich schob diesen Gedanken sofort beiseite: Es muss doch nicht immer ich helfen; schließlich waren viele Menschen unterwegs. Vielleicht würde die Seniorin meine Unterstützung ohnehin ablehnen – so wie es kürzlich passiert war. Ich redete mir ein, dass ich diesmal wirklich keine Zeit hatte. Mein Kind wartete.

Oben angekommen, blickte ich noch einmal zurück. Es sah so aus, als wäre die zierliche Frau kaum vorangekommen. Andere Passanten gingen hastig an ihr vorbei. Ich stellte mein Fahrrad zur Seite und ging den Berg wieder hinunter.

„Darf ich Ihnen behilflich sein?“, fragte ich freundlich.
„Ja, gerne“, antwortete sie nach einem kurzen Zögern. In diesem Moment war ich froh, dass ich angehalten hatte.

Eine Begegnung, die bleibt

Wir besprachen kurz, wie ich ihr am besten helfen konnte, und gingen dann langsam weiter. Nun hatte ich Zeit, sie mir genauer anzusehen. Neben mir ging eine ausgesprochen hübsche Frau: feine Gesichtszüge, kaum tiefe Falten, eine fast porzellanartige Haut, schlank, mit aufrechter Haltung. Ihr Erscheinungsbild beeindruckte mich so sehr, dass ich nach ein paar Minuten des Schweigens nicht länger an mich halten konnte.

„Sie sind sehr, sehr hübsch“, sagte ich.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass diese Bemerkung für sie überraschend war.

„Was glauben Sie, wie alt ich bin?“, fragte sie mich lächelnd.
„Hm… vielleicht 75?“, antwortete ich nachdenklich. Ich wollte ehrlich sein und nicht unnötig schmeicheln. Sie lebte, wie sie mir erzählte, in einer nahegelegenen Seniorenresidenz und wirkte trotz ihrer Grazie etwas gebrechlich.

„Ich bin 88“, sagte sie. Ich spürte wie sie die darauffolgende kurze Stille genoss.
„Das ist unglaublich“, erwiderte ich beeindruckt.

„Was ist Ihr Geheimnis?“ wollte die Gesundheitsforscherin in mir wissen.

Sie lächelte nur und schwieg zunächst. Als wir oben die Straße überquert hatten und sich unsere Wege trennten, sagte sie zum Abschied mit heller Stimme:
„Sie werden auch schön altern, weil Sie mir geholfen haben.“

Für mich klang das wie ein Segen.

Wir verabschiedeten uns dankend voneinander und wünschten uns ein schönes Fest.
Ich fuhr anschließend mit meinem schweren Damenfahrrad weiter, als hätte ich Flügel – und lobte mich innerlich mehrmals dafür, angehalten zu haben.

Zwanzig Jahre später: Eine Erinnerung voller Bedeutung

Nun, rund zwanzig Jahre später, steigt diese Begegnung wieder aus der Tiefe meiner Erinnerungen empor. Meine Tochter ist heute eine erwachsene Frau; ich könnte bereits Großmutter sein. Und ich bin längst nicht mehr im Galopp wie damals.

Eine gewisse Weisheit gestehe ich mir heute zu. Sie sagt mir: Schön zu altern hat viel mit der inneren Haltung zum Leben und zu sich selbst zu tun. Wenn wir in Dankbarkeit und Demut leben, strahlt die wahre Schönheit von innen heraus und zeigt sich auch im Äußeren.

Ein Wunsch, der ein Segen ist

Es ist etwas Besonderes, jemandem ein schönes Altern zu wünschen. Es bedeutet ein langes Leben – und dabei die eigene Schönheit zu bewahren. Wer würde das nicht wollen? Es ist tatsächlich eine Form des Segens, und das sei uns allen gegönnt.

Ich wünsche Dir/Euch von Herzen ein schönes Weihnachtsfest.
Herzlichst,
Nana

P.S. Das Beitragsthema für den Januar lautet: Die Beziehung zur Mutter und ihr Einfluss auf unser Leben. Bitte abonniere dafür meinen Infoletter – hier findest Du das Eintragungsformular ⇒ 

Georgiens verkaufte Kinder

Georgiens verkaufte Kinder

Eine schwangere Frau geht zum Geburtshaus, sie bringt ein gesundes Kind zur Welt, gleich danach bekommt sie eine Spritze – angeblich medizinisch notwendig und sie kippt weg für mehrere Tage. Aufgewacht wird ihr mitgeteilt, dass sie Komplikationen nach der Geburt gehabt hätte und ins Koma gefallen sei, ihr Kind sei leider gestorben. Sie trauert, kann die Welt nicht verstehen, möchte ihr Baby sehen, das wird ihr aber verweigert. Dieses Bild würde sie nicht verkraften – das Baby würde auf dem Friedhof des Geburtshauses begraben werden. So ein Friedhof gab es nicht – es war eine Lüge! Ihr Baby lebte in Wirklichkeit weiter, es wurde lukrativ an eine zahlungskräftige Familie verkauft.

Bevor Du Dich fragst, wo so etwas möglich wäre, sage ich gleich: Das war die traurige Wirklichkeit vieler Mütter in Georgien in der ruhigen sowjetischen Zeit und noch drastischer wurde es nach dem Zerfall der Sowjetunion. Mal wurde den Eltern ein Koffer mit dem angeblich toten Baby darin mitgegeben mit der strengen Anweisung, den Koffer ungeöffnet zu begraben.

Wann diese schrecklichen Geschichten genau anfingen, ist nicht genau bekannt. Aber zumindest nachweislich Ende der 70er – Anfang der 80er gab es schon ein System im ganzen Georgien, auch in der Peripherie. Der neueste Fall, der Georgien vor kurzem erschütterte, liegt nachweislich 44 Jahre zurück. Der Vater in Kutaissi (die zweitgrößte Stadt in Westgeorgien) bekam Zweifel durch neueste Pressemeldungen und auch die BBC-Dokumentation zum Thema und beantragt die Öffnung des begrabenen Koffers, worin angeblich die Babyreste seiner Tochter liegen sollen. Der Koffer ist leer.

Losgetreten wurde der Stein durch die Journalistin Tamuna Museridze, die ihre leiblichen Eltern nach wie vor sucht. Durch die eigene Suche ist sie auf das System gestoßen, das seine Arme in ganz Georgien ausstreckte und über Jahrzehnte viel Leid und Ungerechtigkeit anrichtete.

Sie gründete eine NGO und eine Facebook-Gruppe mit dem Namen: „wedzeb“ – ich suche. Dort schreiben verzweifelte Mütter und ihre verkauften, jetzt erwachsenen Kinder aus der ganzen Welt.

Es sind anscheinend hunderttausende Fälle. So scheint es, dass in der ideologischen Blase des damaligen sowjetischen Georgiens ein sehr spezifisches verbrecherisches Modell zum Geldverdienen etabliert wurde. Ob das nur in Georgien war oder auch in anderen Republiken, ist mir nicht bekannt. Eins ist klar: dazu gehörte eine bestimmte Mentalität, die eine solche Grenzüberschreitung möglich machte.

Das Land war in sowjetischer Zeit sehr korrupt. Nach sowjetischen offiziellen Gehältern durfte es keine reichen Leute geben, aber die Wirklichkeit sah anders aus. Parteizugehörigkeit war eine Macht und diese Macht wurde oft missbraucht. Populäre Studienplätze und angesehene Jobs wurden für große Summen verkauft. Die Gesundheitsvorsorge war offiziell kostenlos. Du musstes aber eine beträchtliche Summe schwarz zahlen, wenn Du eine gute Behandlung bekommen wolltest. Nur das Geld allein reichte oft nicht, Du musstest alle Deine Kontakte einsetzen und bist durch Empfehlung/Begleitung oder mit vorherigen Anrufen eines Mittelmannes überhaupt zum Arzt gegangen um Dich abzusichern.

Das nennt man in Georgien „patronis qona“ – das bedeutet einen Patron/Beschützer zu haben. So war es eben. Ich erinnere mich, dass ich während der Studentenzeit ein paar Mal selbstständig zum Arzt gegangen bin, also diese o.g. Regeln missachtet habe mit solchen gravierenden Ergebnissen, dass ich danach alles daransetzte, um meine Gesundheit so gut zu pflegen, damit ich Arztbesuche vermeiden konnte.

Aber dass die Ärzte, Geburtshelfer, Krankenschwestern, Pfleger, Richter, Ämter, Gesundheitsministerium sich daran machten, massenweise den Müttern ihre Kinder in solcher abscheulichen Art und Weise zu rauben und diese zu verkaufen – das sagt sehr viel nicht nur über das ideologische System sondern über den Charakter der georgischen Gesellschaft, denn es waren keine Einzelfälle!

Das ist meine geliebte Heimat und das alles hier zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Dieser Beitrag ist entstanden, weil ich gemerkt habe, dass man in Georgien zu diesem Thema nicht sprechen will. Am liebsten soll das Thema verschwinden, weil es anscheinend zu viele involvierte Leute gibt.

Es wird in Georgien oft mit Bedauern erwähnt, wie viele georgische Kinder in der Vergangenheit für Janitscharen Dienste im osmanischen Reich oder für Sklavenmärkte gekidnappt worden sind! Ich denke, die Gesellschaft hat das Recht zu erfahren, wie viele georgische Babys in den 90er Jahren mit gefälschten Dokumenten vom georgischen Gesundheitsministerium im Ausland zur Adoption freigegeben wurden!

Sehr bemerkenswert: Die meisten Täter waren georgische Frauen, die ihre eigenen Kinder hatten und mit dem eingenommenen Geld ihnen auch in den dunklen 90er Jahren ein Leben im Wohlstand ermöglichten – wohlgemerkt auf Kosten des Leids anderer Frauen und Kinder. Es ging hier nicht ums Überleben, sondern um Gier, Reichtum und Machtausnutzung. Es ist zu vermuten, dass ihre Angehörige jetzt bei Ämtern/Gerichten/Ministerien wichtige Posten besetzen und so die Klarheit mit allen Mitteln verhindern.

Tamuna Museridze berichtete in einer Sendung, dass sie mit den Behörden nicht weitergekommen ist, angeblich wurden Untersuchungen gemacht, die aber geheim bleiben sollten, zudem ließ man sie unterschreiben, dass sie der Öffentlichkeit keine Details mitteilt. Die Fälle seien schon verjährt und die mutmaßlichen Täter in einem hohen Alter! So die Begründung! Merke: Der bekannte jüngste Fall liegt im Jahr 2004. Gerade weil viele Täter noch am Leben sind, deswegen soll alles vertuscht werden.

Die Staatsanwaltschaft ist bis jetzt auch nicht aktiv geworden, das gesellschaftliche Interesse wächst, die Presse, darunter auch die internationale Presse berichtet immer wieder über diesen Skandal, aber die heimischen Behörden und was mich zutiefst enttäuscht, die Gesellschaft hüllen sich in Schweigen.

Ich habe mich lange gefragt – warum? Wie können besonders Frauen dieses bis zum Himmel schreiende Verbrechen einfach so hinnehmen, wenn sie wegen eines Wortes eines Politikers oder wegen eines Gesetzentwurfs fast Amok laufen? Endlos laut demonstrieren? Zurzeit ist in Georgien die Empörungsbereitschaft sehr groß, man regt sich über alles auf, kritisiert alles – z.B. die wunderschöne wirklich zauberhafte Weihnachtsbeleuchtung in Tbilissi wird kritisiert mit dem Vorwand, dass irgendwelche Kinder in Georgien vielleicht hungrig seien. Aber diese Gruppe hat zu den verkauften Kindern und verratenen Müttern nichts zu sagen. Warum?

Auch die Presse ist erstaunlich zurückhaltend. Neulich wurde in einer bekannten Sendung das Thema am Rande erwähnt, dazu der Gast – eine bekannte weibliche Person, die sich sonst dramatisch dazu äußert, wie schlimm sie alles um sich herum findet, sagt zum Thema fast emotionslos: das übersteigt meine Vorstellungskraft. Und das kaufe ich diesen Menschen nicht mehr ab.

Mir ist aufgefallen, dass in ein paar bekannt gewordenen Fällen, über die die BBC schon berichtet hatte, und man sie deshalb nicht der einheimischen Bevölkerung vorenthalten konnte, sowohl der Moderator als auch die Kommentatoren eine starke Empathie und Verständnis gegenüber der Mutter – nicht der leiblichen, sondern der Adoptiv-Mutter gegenüber zeigten.

Ich erinnere mich, dass in meiner Kindheit und Jugendzeit in Georgien Adoptionen streng geheim gehalten wurden. Die Kinder durften nie davon etwas erfahren. Meistens haben sie die Wahrheit später, oft nach dem Tod der Eltern (Erzieher) herausgefunden. Ich habe mich immer gefragt, warum? Die Erklärung für mich ist, dass auch die leiblichen Mütter in Georgien lebten und sie haben das Kind meistens nicht freiwillig zur Adoption frei gegeben, sondern es wurde ihnen im Geburtshaus geraubt.

Die neuen Eltern wussten meistens ganz genau, wie diese Kinder zu ihnen kamen. Ein Mann, der nach seinem Bruder sucht, hat im Kommentar geschrieben, dass seine Adoptivmutter ihm gesagt hätte, er hätte noch einen Bruder, aber weil er Herzprobleme hatte, hätte sie diesen nicht auch adoptiert.

Nun nachdem einige Kinder die Wahrheit herausgefunden haben, stellen sich die Adoptiv-Mütter naiv, sie hätten nicht gewusst, wie es zur Adoption gekommen sei und ob die Kinder Geschwister hätten.

Kinderlose Frauen in Georgien haben verzweifelt nach Wegen gesucht um Mutter zu werden, und weil eine georgische Mutter von Natur aus oft eine Demeter-Mutter ist (siehe Demeter-Archetyp in meinem Blog), das bedeutet, eine hingebungsvolle Mutter, die für ihre Kinder alles tut und sie freiwillig nicht zur Adoption geben würde, hat man Wege gefunden, ein zahlungskräftiges Klientel zu bedienen, indem man während der Geburt das Vertrauen und die Abhängigkeit jener Mütter, die keinen starken Patron/Beschützer hatten, ausnutzte. Ich erinnere mich sogar an solche Sätze wie: „Was will sie eigentlich, warum sucht sie nach ihren leiblichen Eltern? Hier fehlte ihr nichts und dort hätte sie nicht so einen Wohlstand gehabt, Wie kann sie nur so undankbar sein…“.

Also mit viel Geld kaufte man Kinder, die anderen wenig zahlungskräftigen Eltern mit List und Trick brutal weggenommen wurden, Und es sind anscheinend hunderttausende Fälle! Es ist schmerzhaft, dass diese Leute geschützt werden, dass man sie noch nicht einmal als Informationsquelle befragt. Wie kann so ein niederträchtiges Verbrechen verjähren? Dann muss das Gesetz angepasst werden!

Also zum blühenden Geschäft gehörte die zahlende Frau/Familie – die Nachfrage. Und es kam irgendwann dazu ein passendes Angebot. Georgien ist ein kleines Land, fast jeder muss im Angesicht der vielen Fälle involvierte Angehörige/Nachbarn/Bekannten haben und diese werden jetzt mit Schweigen und Nichtstun geschützt. Ist so ein Verhalten mit humanen Werten vereinbar? Für mich sind zu viele Pharisäer auf so kleinem Raum!

Mir ist klar geworden, warum viele Georgier für medizinische Vorsorge in die Türkei fahren oder nach Europa kommen. Sie vertrauen den eigenen Ärzten nicht. Das bedeutet natürlich nicht, dass es dort keine gewissenhaften und guten Ärzte gibt. Aber auch sie schweigen beharrlich: keine Stellungnahmen, kein Bedauern, keine Distanzierung. Im Gegenteil: Sie machen den armen Müttern die Suche schwer. Wie sollte man im Alter oder im Falle einer Krankheit sich in deren Abhängigkeit begeben?!

Die durch diese Schocknachrichten aufgeweckten verzweifelten georgischen Mütter gehen zum Geburtshaus/Krankenhaus, verlangen nach den Dokumenten und stellen fest, dass ihre Schwangerschaft und die Geburt in den Akten nicht mehr existieren. Als hätte sie das nur geträumt. Diese Frauen haben keine Lobby, die Täter und deren Verbündete umso mehr.

Nachdem die Sowjetunion zusammengebrochen ist, hat das System angefangen mit Hilfe ausländischer Organisationen Babys noch teurer an ausländische Paare zu verkaufen z.B. nach Kanada und Amerika. Das Geschäft blühte richtig auf. Das Gesundheitsministerium, die Gerichte waren dafür zuständig, die Dokumente für Adoptionen fertig zu stellen. Als Unterschriften dienten in diesen Dokumenten Namen nichtexistierender Menschen! Und das sind keine Einzelfälle!

Eines steht fest: Die Aufklärung ist nur möglich, wenn ein gewissenhaftes Spezialisten-Team aus dem Ausland den Auftrag bekommt.

Erfahren die Opfer dieser abscheulichen Verbrechen jemals eine Gerechtigkeit? In Kommentaren schrieb eine Frau: Als ihre bekannte Gynäkologin im Sterben lag, hätte sie wiederholt gerufen: Kinder, Kinder lassen mich nicht auf die Treppe…

Egal was damit gemeint war, die Energie, die sie kreiert hat, geht nicht verloren, oft kommt sie wie ein Bumerang zurück: „Was du gibst ist deins“ – schrieb der große georgische Dichter Schota Rustaweli, 12.Jh. Möglicherweise hatte diese Ärztin in den letzten Tagen ihres Lebens ein schlechtes Gewissen. Das hilft aber den Opfern wenig.

Mich hat diese Geschichte umgehauen. Ich habe mein Kind 9 Monate getragen, die Geburt war schwer. Ich habe mir vorgestellt, dass das Personal mir eine Spritze gegeben hätte, damit ich handlungsunfähig geworden wäre und es damit genug Zeit gehabt hätte, das Baby irgendwo unterzubringen und es an zahlungskräftige Menschen zu verkaufen. Ein Albtraum für jede Mutter! Wer sind diese Menschen und deren Beschützer?!

Ein Verwandter von mir ist mit seiner schwangeren Frau in den dunklen 90er Jahren extra nach Tbilisi gegangen, weil er glaubte seine Frau mit Zwillingen im Bauch wäre in professionellen Händen. Welch ein Irrtum! Es wurde ihnen mitgeteilt, dass ausgerechnet das stärkere Baby von beiden nach der Geburt plötzlich verstorben sei, das schwächere Baby hätte aber große gesundheitliche Probleme: „Es wird so schwer für Sie und für das Baby, wollen Sie das Baby nicht lieber hierlassen?“ – mit einem besorgten mütterlichen Ton wurden die Eltern angesprochen! Zynismus pur! Das Mädchen ist jetzt eine junge Frau und hoffentlich findet sie irgendwann ihre Zwillingsschwester.

Möge keine Frau in dieser Welt diese abscheuliche Erfahrung machen, die das georgische medizinische Personal und die Gesellschaft vielen georgischen Frauen zugemutet haben.

Als eine Frau, die sich beruflich mit menschlicher Psychologie beschäftigt, habe ich natürlich nach einer Erklärung gesucht, wie so etwas möglich wäre. In jedem Land sind aufgrund der Geschichte bestimmte Archetypen – Ursprungspsychotypen dominant. Da Georgien nach dem 12. Jahrhundert ein Kampffeld und Spielball von brutalen und zerstörerischen Eroberungen wurde, sind bestimmte Archetypen, die mit List und Trick das Überleben ermöglichten, stark entwickelt. In einer relativ ruhigen Zeit wendet sich dieses Potential anscheinend gegen die eigene Bevölkerung.

Lies mal bitte die Beschreibungen in meinem Blog von der Zauberin/Hekate und Hades (der ein Meister von mehrschrittigen Kombinationen und Manipulationen ist), aber auch Athena und Artemis, die das Funktionieren des Systems ermöglichten.

Natürlich sind keine Archetypen – genetisch bedingte Psychotypen – nur gut oder nur schlecht, sie haben ihre sonnigen und auch schattigen Ausprägungen. In Georgien sind viele Hekate-Frauen in der schattigen Ausprägung. Dafür hat die harte Geschichte gesorgt, aber wir sind für unsere Taten verantwortlich.

Viele fragen sich, wie wagte das Personal, den Eltern einen leeren Koffer mitzugeben? Was wäre, wenn die Eltern den Koffer doch geöffnet hätten? Die Archetypen Hades und Hekate können Menschen gut einschätzen. Es gibt obrigkeitshörige Archetypen. Somit waren sie davon überzeugt, dass diese Eltern den Koffer nicht öffnen würden. Tatsächlich hat es bei dem o.g. Fall viele Tatsachen und Medienberichte gebraucht, damit der Vater nach 44 Jahren den Koffer ausgegraben und geöffnet hatte.

In Tbilissi auf dem Sololaki-Hügel steht eine Monumentalstatue „Kartlis Deda“ – die Mutter Georgiens mit einer Schale Wein für Freunde in der linken Hand und mit einem Schwert gegen die Feinde in der rechten – siehe Beitragsfoto. Kartlis Deda wurde im Jahr 1958 zum 1500-jährigen Stadtjubiläum errichtet um die besondere Rolle der georgischen Frau in der Geschichte zu würdigen. Nun braucht sie jetzt nicht vorrangig nach fremden Feinden Ausschau zu halten, Sie sollte lieber Ihren Blickwinkel ändern: Um sie herum und hinter ihrem Rücken tummeln sich leider viele eigene Feinde.

Diesen Beitrag widme ich und meine wärmsten Gedanken sende ich den verratenen georgischen Müttern, die jetzt zum zweiten Mal von dem georgischen Staat und der georgischen Gesellschaft im Stich gelassen werden.

Nana Schewski

hier geht es zum Archetyp Hekate – siehe Blog ⇒

Vertraue… meine Weihnachtsgeschichte 2023

Vertraue… meine Weihnachtsgeschichte 2023

Wir standen auf einem großen Hof am Rande des Dorfes und sprachen über die Bäume. Plötzlich hörten wir ein lautes Piepsen, ein verzweifeltes Weinen, so durchdringlich, dass wir uns Richtung Eingang drehten. Das Tor war leicht auf und es hüpfte ein kleines schwarzweißes Wollknäuel mit solcher großen Geschwindigkeit auf uns zu, als würde es über das hochgewachsene Gras fliegen.

Diese ca. 60 Meter Entfernung voller Kletten und Dornen hüpfte es geschickt mit kleinen Sprüngen. Der Hof war nicht gemäht. Wir standen da wortlos und schauten zu. Ich habe nie im Leben so ein Rennen ums Leben gesehen: es war ein ganz kleines Kätzchen.  Es lief zu unseren Füßen, piepste laut und mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln flehte es um Hilfe. Sein Gesicht war voller Schmutz, seine Augen waren fast zugeklebt und voller Erde. Das Kätzchen war in einem jämmerlichen Zustand, zitterte und verfolgte uns panisch. Es war klar, dass es sich von uns Schutz und Hilfe erhoffte. Ich hatte Gartenhandschuhe an, so nahm ich bedenkenlos dieses kleine Wesen, das gerade so groß wie meine Hand war, hoch und stellte fest, es beruhigte sich etwas, hörte auf laut zu jammern.

Ich ging mit ihr in meiner Hand diese 60 Meter zurück zum Tor und fragte den einzigen Bewohner am Rande des Dorfes, ob es sein Kätzchen sei. Er verneinte das. Es könnte sein, dass jemand es ausgesetzt oder seine Mutter es verloren hätte – sagte er. Wir alle saßen gute 20 Minuten vor dem Hof auf den Steinen mit der Hoffnung, es würde sich mit dem Kätzchen etwas klären und sprachen weiter. Wir waren im Gespräch gute 15 Minuten vertieft, als mir einfiel, dass ich das Kätzchen weder sah noch hörte. Ich entdeckte es still sitzend auf meinem rechten Schuhe, hungrig, durstig, voller Schmutz und Dornen, aber es fühlte sich dort anscheinend so geschützt und sicher, dass es nicht mehr jammerte.

Mich rührte diese Szene zutiefst, so dass mir die Tränen herunterliefen. Was machst Du mit ihm – wurde ich gefragt. Ich kann es nicht hierlassen – sagte ich.

Wir waren im Urlaub in Georgien. Es war an diesem Tag nur ein entspannter Besuch bei einem Bekannten geplant, nach zwei Tagen wollten wir weiterreisen, und danach nach vier Tagen hatten wir schon unseren Rückflug.

Wie kann ich dem Kätzchen helfen, sein Leben zu retten? Diese Frage fing an in meinem Kopf zu kreisen. Ich habe versucht mich zu beruhigen, zu vertrauen und mich auf mögliche Lösungen zu konzentrieren. Trotzdem war ich voller Sorge und das zu Recht.

Meine Gastgeberin in unserer Pension hatte mehrere Katzen und ein Herz für Tiere, aber alle Katzen lebten im Hof. Somit habe ich gehofft, sie würde erlauben, dass das Kätzchen dort bleibt. Das Kätzchen war aber sehr klein, es war Anfang November, die Nächte waren schon relativ kühl. Das Kätzchen hätte nicht ohne Pflege und Wärme überleben können.

Ich rief sie an und sagte, es gäbe etwas Dringendes, was ich mit ihr besprechen wollte. Sie sagte, sie sei unterwegs aber ihre Tochter sei zu Hause. So fuhren wir mit dem Auto zur Pension, das Kätzchen in meiner Hand.

Mit Hilfe der Tochter unserer Gastgeberin versuchte ich das Kätzchen zu reinigen und ihm etwas Milch zu geben, ohne zu wissen, dass es Kuhmilch nicht gut verträgt. Aber es trank gierig, war aufgeregt, suchte verzweifelt nach seiner Mutter, lief uns laut weinend hinterher. Die Katzen im Hof beobachteten diese Szene aufmerksam auf der Treppe nebeneinander sitzend. Das Kätzchen lief auch zu ihnen, beschnupperte sie, bekam aber die kalte Schulter gezeigt. Ich war zumindest froh, dass die Katzen ihm gegenüber keine Aggressivität zeigten. Sie waren aber sehr zurückhaltend.

Abends kam unsere liebe Gastgeberin und zeigte sich sehr fürsorglich und liebevoll dem Kätzchen gegenüber, gleichzeitig aber war sie erschrocken über die zugeklebten und verschmutzen Augen und fragte sich, ob es gesund sei.

Damit war mein nächster Schritt geplant. Mir wurde klar, um es zu retten, musste ich es einem Veterinär zeigen.

Wir richteten für das Kätzchen mit einem weichen Stoff und Schuhkarton ein Bettchen ein. Das arme Wesen lief aber die ganze Nacht wie getrieben, weinend und überall schnuppernd suchte es nach seiner Mama. Ich konnte es nicht beruhigen. Ich weiß nicht woher es so viel Kraft hatte. Diese Nacht blieb ich völlig schlaflos und war nur froh, dass die Sonne irgendwann aufging.

Am Vormittag des zweiten Tages fuhren wir mit dem Auto nach einer benachbarten Stadt, das kleine Kätzchen in einem Schuhkarton auf meinem Schoß.

Vor Ort gab es keinen Tierarzt und meine Gastgeberin hatte durch die Telefonrecherche in einer 15 Kilometer entfernten Stadt einen Veterinär herausgefunden. Er hatte an diesem Tag frei, aber auf mein Bitten hin hat er sich bereit erklärt, sich das Kätzchen anzuschauen.

Es sei gesund, nur hungrig und hätte nur eine Augenentzündung, die mit den Tropfen schnell auskuriert werden könne – sagte er. Zum Glück war eine und bestimmt die einzige Zoo-Apotheke gleich um die Ecke. Er begleitete uns, ich kaufte Augentropfen, Trockenfutter für kleine Kätzchen für mehrere Monate und aus purer Freude noch einen Edelstahlnapf, der überhaupt der teuerste unter den Näpfen war. Ich war mit der Entwicklung der Situation überglücklich. Der Veterinär, der ein herzlicher und einfühlsamer Mensch schien, gab dem Kätzchen Augentropfen und zeigte mir genau, wie ich ihm sie geben sollte – zweimal am Tag. Er warf ein bisschen Futter in den Karton und das arme Wesen stürmte sich darauf. Danach gab es Ruhe – eingeschlafen.

Wir kauften unterwegs Quark und Jogurt für das Kätzchen und kamen zufrieden zur Pension zurück.  Am zweiten Tag mittags mussten wir los. Es sah gut für das Kätzchen aus. Abends gab ich ihm Augentropfen und stellte mit Freude fest, dass sie schon Wirkung zeigten.  Sie bekam Essen und ich ließ es zu, dass andere Katzen auch mitaßen in der Hoffnung, sie würden dem Kätzchen gegenüber ein bisschen Gnade zeigen. Ich richtete eine Toilette aus dem Karton und Sand her, den ich mit der Erlaubnis der Gastgeberin vom Spielplatz des Hofes entnam und  setzte das Kätzchen gleich nach dem Essen in die Sandkiste und siehe da – es hat sofort verstanden und ab dieser Minute war es sauber. Ich weiß nicht, ob alle Katzen so schlau und gescheit sind wie dieses kleine Wesen in Not. Mein Herz brannte dafür, ihm zu helfen. Es war klar, dass es bleiben durfte. Die Gastgeberin erklärte sich gerne bereit, ihm Augentropfen zu geben und zu füttern. Sie schien auch beeindruckt zu sein von meinem starken Willen, das Kätzchen zu retten.

Aber wie würde es die Kälte des Winters überstehen? An diesem Ort ist es nicht üblich eine Hauskatze zu haben. Die Katzen leben draußen. Meine herzensgute Gastgeberin sagte, sie würde für das Kätzchen einen windgeschützten Ort mit Heu einrichten. Es wäre besser als nichts, aber ich war besorgt, ob dieses kleine Wesen, das nur aus Haut und Knochen bestand, ohne zusätzliche Wärmequelle den Winter überstehen würde.

Diesmal konnte ich die halbe Nacht schlafen. Das Kätzchen schlief besser, wachte aber immer wieder auf und jammerte laut. Ich versuchte es zu mir zu nehmen, es war aber sehr beweglich und aufgewühlt auf der Suche nach etwas, bestimmt nach seiner Mama, ließ sich aber mit Streicheln etwas beruhigen.

Am zweiten Tag als unsere Koffer fertig gepackt waren, legte es sich über meinen Schuh und so blieb es eine Weile – siehe Foto. Es war so herzzerreißend es zurückzulassen, vielleicht hatte es ein Vorgefühl. Das Wetter war prächtig und es schien die angenehme Herbstsonne. So kam es irgendwann heraus und sonnte sich während wir über ihr Schicksal sprachen. Danach zog ich meine Schuhe schnell an und wir fuhren los.

Ich habe es zum Abschied nicht gestreichelt, weil ich nicht wollte, dass es hinter mir herläuft und noch mehr leidet.

In dieser Zeit habe ich meinen Optimismus zurückgewonnen. Ich visualisierte immer wieder die gewünschte Situation: das Kätzchen gut versorgt und wohlauf.

Am nächsten Tag verfasste ich für die Gastgeberin des Familienhotels eine Nachricht mit der Frage, ob sie für das Kätzchen eine Wärmelampe, die man für Hühner einsetzt, kaufen würde. Ich würde gerne die Kosten tragen.

Und bevor ich diese Nachricht sendete, passierte etwas: ich bekam einen Anruf vom Veterinär. Nach unserem ersten Besuch habe ich ihn ein paar Mal telefonisch kontaktiert um Fragen zur Nahrung und die bevorstehenden Impfungen zu besprechen. Es muss ihm klar geworden sein, wie sehr ich um das Kätzchen bemüht war. Jetzt sagte er mir, dass sein Haus, das gerade errichtet worden ist, in 6 Wochen bezugsfertig sein würde und ab dann wäre es möglich, dass das Kätzchen bei ihm wohnt. Er würde es gerne aufnehmen. Wir hätten bei der nächsten Reise das Kätzchen bei Ihm besuchen dürfen.

Meine Freude konnte ich nicht in Worte fassen. Wie oft habe ich meinen herzlichen Wunsch nach oben geschickt: Möge das Universum und alle positiven Kräfte die Rettung dieses Kätzchens ermöglichen. Ich war so dankbar!

Nun schrieb ich eine Nachricht an meine Gastgeberin und erzählte ihr von dieser Option. Ich schrieb, dass ich volles Verständnis dafür habe, dass das Kätzchen nicht im Wohnzimmer wohnen darf, aber ohne Wärme könne es nicht überleben. Wenn sie diese 6 Wochen ihm die nötige Wärme und Nahrung geben würde, dann könne der Veterinär es danach zu sich holen.

Abends als ich auf dem schönen Berg Mtazminda in einem Restaurant mit Freunden zu Abend saß, klingelte mein Handy. Sie war es und erklärte mir liebevoll und ausführlich, dass das Kätzchen schon das Herz und Heim der Familie erobert hätte: Es sei so süß, schlafe auf dem Schoss ihrer Tochter, hätte guten Appetit und fühle sich wohl. Sie würden es selber gerne behalten wollen. Ich solle mir keine Sorgen machen, es bekommt alles was es braucht. Sie sagte, es seien auch die Enkelkinder aus der Hauptstadt am Wochenende zu Besuch gewesen und sie seien auch so verrückt nach dem Kätzchen und würden es gerne mitnehmen, sie durften es aber nicht.

Wow – habe ich gedacht, jetzt wollen sogar mehrere das Kätzchen betreuen!

Schon wieder das Gefühl, das mein Herz erwärmte. Ich segnete diese wunderbare Familie, die ihr Haus und Herz für dieses bedürftige süße Wesen weit geöffnet hat. Ich musste dem Veterinär dankend absagen. Als ich aber am Tisch die Geschichte erzählte, habe ich festgestellt, dass meine Freude nicht ganz geteilt wurde. Es seien so viele bedürftige Menschen/Kinder auf der Welt – sagte man zu mir. Das konnte aber meine Riesenfreude nicht trüben. Manche haben ihr Herz für Tiere noch nicht geöffnet.

Zurück in Deutschland angekommen, organisierte ich einen in Georgien noch unüblichen Kratzbaum für das Kätzchen und genieße seine Fotos und Videos, die ich per Messenger zugeschickt bekomme. Die Tochter der Gastgeberin schrieb mir, dass sie mir sehr dankbar für das Kätzchen ist, weil es mit seiner Art viel Freude ins Haus gebracht hätte. Es ist sehr verspielt, schläft kuschelig auf dem Sofa, wächst und gedeiht. Ich darf mich aufs Wiedersehen freuen. Somit ist mein großer Wunsch, der unerwartet zu mir kam, voll und ganz, sogar besser als erträumt, in Erfüllung gegangen. Danke!

Oft denke ich darüber nach, dass an diesem Tag mehrere Ereignisse zusammengekommen sind, die die Rettung des Kätzchens überhaupt möglich gemacht haben. Zuerst sind wir später als geplant hingegangen, dann ist das Tor aufgeblieben. Das Dorf ist voll von freilaufenden Hunden. Das Kätzchen hatte sicher eine gute Schutzmacht gehabt, seine Situation war eigentlich ausweglos.

Wenn ich mir jetzt sein Foto anschaue, wo es in einem warmen Wohnzimmer auf einer kuscheligen Wolldecke seelenruhig schläft, danach sah es am Anfang überhaupt nicht aus.

Aber es ist immer ein Wunder möglich, mal im großen, mal im kleinen Rahmen. Glaube daran! Meine jährlichen Weihnachtsgeschichten sind ein Beweis dafür.

Jede von uns braucht eine gute Schutzmacht, einen Schutzengel, der schützend seine Flügel ausbreitet, wenn wir es brauchen. Das sei uns allen gegönnt!

Schönes Weihnachtsfest!

Herzlichst, Nana

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Archetyp Hera/Königin

Archetyp Hera/Königin

Eine Frau, die einen starken Archetyp Hera in sich hat, ist eine kluge, gescheite Person, die ihre Stärke aus ihrer Fähigkeit bezieht, das Leben aus einer Adlerperspektive zu betrachten, um entsprechend handeln zu können. Systemisch denken und vorgehen zu können – ist Heras herausragende Eigenschaft, die sie zu vielen besonderen Erfolgen befähigt.

Somit ist Hera in der Lage, das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können, eigene und fremde Ressourcen zu mobilisieren, rechtzeitig richtige Prioritäten zu setzen und sie entschlossen ohne viel Emotionen zu verwirklichen. Diese Fähigkeiten fehlen vielen Archetypen. Sie befähigen Hera zu besonderer Stärke und Weitsicht.

Heras Haltung hat etwas Königliches in sich. Sie kann durch ihre Haltung in einer Gesellschaft nicht übersehen werden.

Ihr Adlerblick und systemisches Denken spiegeln sich in ihrem privaten Leben wider. Hera ist gerne eine Ehefrau. Einfach geliebt zu werden – das reicht Hera nicht. Für Hera ist der Status ihrer Beziehung sehr wichtig. Für ihr Glück braucht sie eine Ehe – eine eingeschworene Gemeinschaft, die sie als sakral ansieht. Sie wird sich nie auf irgendwelche Affären oder gar Seitensprünge einlassen. Sie hat ein Wertesystem, das auf Treue und hohem Pflichtbewusstsein basiert und nie hinterfragt wird. Sie überlegt sich genau, wen sie heiratet und fühlt sich mit ihrem Ehemann eng verbunden. Ihre Ehe ist für sie ein System, das sie mit großem Verantwortungsgefühl treu pflegt und würdigt.  Und das gleiche verlangt sie auch von ihrem Ehemann. Wenn das funktioniert, entfaltet sich Hera in ihrer Partnerschaft und ist die beste Stütze für ihren Partner. Wenn nicht – siehe Abschnitt „Partnerschaft“.

Sie verehrt ihren Status und auch, wenn sie in ihrer Ehe nicht glücklich ist, gibt sie ihn selten auf.

Sie entfaltet sich in ihrer Partnerschaft. Sie idealisiert oft Ihre Partnerschaft und kann viel erdulden.

Kindheit: Hera Kinder zeigen schon in der Kindheit ihre Prioritäten. Oft ist es so, dass das Mädchen eine Familie spielt, in der ihr Partner/Ehemann eine zentrale Rolle hat. Ein Demeter-Kind z.B. spielt oft eine Mutterrolle. Das Hera-Kind kann eine Situation schnell durchschauen und wird von den Gleichaltrigen respektiert.

Beruf: Heras Stärke ist ihr systemisches Denken. Sie sieht das ganze Bild und ist in der Lage, ihre Erkenntnisse klug einzusetzen. Sie kann sehr gut delegieren und Ressourcen der anderen aktivieren. Hier unterscheidet sie sich von Demeter, die zwar eine gute Krisenmanagerin ist, aber alles selber machen möchte. Hera bekommt viel Anerkennung und Bewunderung und macht oft eine atemberaubende Karriere. Als Chefin ist sie beliebter als Athena, die zwar klug und gescheit ist, aber sich wenig um die Mitarbeiter kümmert.

Hera kümmert sich um die Belange der Mitarbeiter, nicht weil sie empathisch ist, sondern weil sie erkennt, dass zufriedene Mitarbeiter für den Erfolg unerlässlich sind. Anders als Demeter geht sie nicht emotionale Bindungen mit Kollegen und Mitarbeitern ein. Sie ist gewissermaßen unnahbar ohne kalt oder abweisend zu wirken. Hera strahlt etwas Königliches aus und verliert nie die Fassung vor der Belegschaft. Sie wird von ihren Untergebenen respektiert und geschätzt.

Partnerschaften: In Heras System hat ihr Ehemann eine zentrale Rolle: Er ist der König, der sie zur Königin macht.  Die Hera-Frau wartet, bis ihr Wunschpartner ihr einen Heiratsantrag macht. Sie ist gut in der Lage, ihn strategisch und unauffällig dabei zu unterstützen. Sie wird alles daransetzen, das System zu erhalten. Sie liebt ihre Ehe und will sie auf keinen Fall aufgeben. Für Hera ist ihr Partner/Ehemann wichtiger als ihre Kinder und der Familienfrieden.

Die Hera-Frau ist sehr intensiv in das Leben ihres Mannes involviert. Seine Familie und Freunde betrachtet sie als die eigenen und versucht die Beziehungen positiv zu gestalten und zu festigen. So erkennt man oft eine Hera-Frau daran, dass sie sich nach der Heirat voll und ganz auf ihre neue Rolle und die neue Familie fokussiert und sogar eigene Freunde vernachlässigt. Das ist nicht ihre Absicht, sondern das Resultat der Prioritäten der Hera-Frau. Sie liebt es, ihren Mann zu allen möglichen Anlässen zu begleiten und an seinem Leben teilzuhaben. Somit bleibt kaum noch Zeit für ihre alten sozialen Kontakte.

In ihrer schattigen Ausprägung kontrolliert und beschattet sie ihn sogar.

Wenn der Ehemann jedoch nicht treu ist und Heras Wertesystem nicht teilt, wird es schwierig für Hera.  Sie kann grenzenlos eifersüchtig und auch rachesüchtig sein. Sie kann dabei ihre königliche Haltung verlieren: Es sind Dramaszenen auch ohne Rücksicht auf die Kinder möglich. Was Hera charakterisiert, dass sie die Geliebte ihres Ehemannes aufsucht und mit ihr ein Gespräch sucht. Sie kann ihr auch drohen und sie einengen.

Dass Hera oft verzweifelt an ihrem untreuen Ehemann klammert, ist nicht unbedingt mit einer großen bedingungslosen Liebe ihm gegenüber zu erklären, sondern weil Hera ihren Status /ihr System gefährdet sieht und das Gefühl hat, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Was sollen die Leute denken, wie wird ihre Zukunft sein? Sie ist lieber Witwe als Geschiedene.

In ihrem Schatten-Modus kann Hera so tief sinken, dass sie Intrigen und Manipulationen nicht scheut. Dabei verliert sie ihre Hauptstärke – ihr Adler-Blick wird getrübt und ihre Haltung wird gekrümmt.

Mögliche Schattenseiten: Wenn ihr Ehemann untreu ist, wird sie eifersüchtig und verliert dabei die Fassung, Ihre Rachesucht kann grenzenlos sein. Sie verfolgt und schikaniert die Geliebte ihres Mannes. Es ist die Frau, die ihrem Mann zwar Szenen macht, aber ihn nicht aufgibt, sondern seine Geliebte attackiert.

Für Hera ist ihr Ehe-System existentiell wichtig, sie ist insofern von ihrem Mann abhängig.

Für Hera ist es sehr wichtig, was die Leute über sie denken. So kann sie ein Opfer ihrer eigenen Krone werden. Das bedeutet, dass sie als Person, als Frau das Leben nicht genießen kann.

Mythologie: In der griechischen Mythologie ist Hera die Göttin der Ehe, der Frauen und der Familie.  Der Name „Hera“ bedeutet „die Mächtige“. Sie ist Ehefrau des machtvollen Göttervaters Zeus und die wichtigste und machtvollste Göttin auf dem Olymp. Sie wird oft als würdevolle, matronenhafte Figur, gekrönt mit einer Krone/einem Diadem dargestellt, mal auch mit einem Granatapfel als Symbol der Unsterblichkeit.

Mit Zeus zusammen hatte Hera vier Kinder: Ares, Hephaistos /Meister, Hebe und Eileithya.

In der Mythologie wird Hera oft wütend und gnadenlos dargestellt, die eifersüchtig und rachesüchtig die zahlreichen Geliebten ihres Mannes und deren Kinder verfolgt.

Perspektive: Kein Archetyp hat so eine königliche Haltung und innere Würde wie Hera. Ihr Potential ist einmalig: Sie kann eine Adlerperspektive einnehmen, das ganze Bild sehen und daraus eine Entscheidung treffen, die für das ganze System, sei es eine Firma, eine Familie oder Gesellschaft klug und richtig ist. Ihre Herausforderung ist, ihre Meta-Position und somit ihre archetypische Stärke beizubehalten. Das schafft sie nicht, wenn sie es sich erlaubt, sich in Eifersuchtsdramen zu verstricken.

Da sie an einem untreuen Ehemann lebenslang klammern kann, braucht sie die Fähigkeit, etwas rechtzeitig beenden zu können (Gott Ares).

Das System ist für sie wichtiger als ihre persönlichen Interessen. Das kann dazu führen, dass sie die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Sie braucht mehr Aphrodite in sich, um das Leben gelassener angehen zu können.

Du hast jetzt einen sehr interessanten und machtvollen Archetypen kennengelernt, weitere Archetypen findest Du im Blog.

Herzlichst, Nana Schewski

Dieser Beitrag passt zum Thema: Archetyp Zauberin/Hekate ⇒

Archetyp Athena Pallas

Archetyp Athena Pallas

Kennst Du eine Frau, die sehr mutig, strategisch und zielgerichtet vorgeht und dabei auch Erfolg hat? Eine Frau, die sich mit Männern gut versteht und auch von denen akzeptiert und respektiert wird? Dann hat diese Frau einen hohen Athena-Anteil oder sogar einen führenden Archetyp Athena in sich.

Athena kann sehr gut planen und geschickt und vorausschauend vorgehen. Sie lässt sich nicht von ihrem geplanten Weg abbringen. Athena hat viele männliche Freundschaften. Sie sieht gepflegt aus, aber ihr Stil und Verhalten sind nie mädchenhaft oder kokett. Sie kann sich gut beherrschen und zeigt selten ihre Gefühle.

Athena zeigt sich kämpferisch, wenn etwas oder jemand ihren Weg kreuzt. Weil sie klug ist und auch Ausdauer hat, gewinnt sie auch oft diesen Kampf. Sie steigt nur mit einer bedachten Strategie in den Kampf ein.

Athena und Artemis sind in einer gleichen Gruppe der Archetypen. Beide eint der Fleiß und die Zielstrebigkeit. Der Hauptunterschied ist, dass Athena anders als Artemis eine detailorientierte Routine-Arbeit nicht leiden und machen kann. Sie ist eine tolle Strategin. Die Routine-Arbeit soll aber jemand anderes machen. Athena ist mutig und ihre Analyse und Strategien sind brillant. Im Prozess der Erreichung ihrer hochgesteckten Ziele macht sie keine Kompromisse. Sie ist nicht sentimental und macht sich nicht viel Kopf darüber, dass jemand verletzt zurückbleibt.

Sie liebt Städte, anders als Artemis begeistert sie sich wenig für wilde Natur.

Kindheit:

Athena ist ein fleißiges und zielstrebiges Kind. Sie zeigt schon als Kind ihren Kampfgeist und ihre Geschicklichkeit.

Athena hat viel maskuline Kraft. Sie spielt gerne mit Jungs. Später als Erwachsene versteht sie Männer besser als Frauen. Athena ist oft „Papas Tochter“. In Streitereien ihrer Eltern steht sie stets auf Vaters Seite. Anders als Artemis, betrachtet sie Männer nie als Konkurrenten, sondern als Mitstreiter. Für Ihre Entwicklung ist es sehr wichtig, von ihrem Vater akzeptiert zu werden und eine gute Beziehung mit ihm zu haben.

Wenn sie selber später Kinder bekommt, wird sie mit jenem ihrer Kinder eine bessere Beziehung haben, das so ähnlich ist wie sie es war. Würde ihr Kind sehr sensibel und unsicher sein und wenig Ausdauer und Ehrgeiz haben, das würde Athena sehr enttäuschen.  Sie wird große Schwierigkeiten haben, ihr Kind zu verstehen und für seine Art Verständnis zu zeigen.

Beruf:

Athena ist Meisterin darin, eine steile Karriere zu machen. Entsprechend verdient sie auch gut. Sie ist aber als Chefin nicht beliebt. Sie ist streng und geradlinig. Vor ihr haben die Mitarbeiter oft Angst.  Athena ist nicht mitfühlend und geduldig, es fällt ihr schwer, Verständnis für die Schwächen Ihrer Mitarbeiter zu zeigen. Sie hat klare Erwartungen an sie und diese Erwartungen müssen erfüllt werden. Athena arbeitet sehr gut mit Artemis und Apollon zusammen. Denn die beiden sind sehr diszipliniert, verantwortungsbewusst und obrigkeitshörig, und somit in der Lage, Athenas Erwartungen zu erfüllen und ihr Vertrauen zu gewinnen.

Partnerschaften:

Athena betrachtet Männer als ihr ebenbürtig. In der Ehe bleibt Athena unabhängig und unterstützt ihren Partner sehr gut. Sie bildet oft mit ihrem Partner ein Erfolgsteam. Eine emotionale Unterstützung von Ihr bekommt ihr Partner aber nur bedingt.

Athena ist eine nie eifersüchtige und zu Dramen neigende Partnerin. Sie kann eine Beziehung beenden und mit dem Ex-Partner weiterhin gute (geschäftliche) Kontakte pflegen.

Mögliche Schattenseiten:

Athenas größte Stärke ist gleichzeitig ihre größte Schwäche: Athena ist sehr rational, sie ist nicht mitfühlend. Sie ist eher genervt von den Schwächen der Anderen.

Sie trifft Entscheidungen mit kaltem Verstand und nimmt in Kauf, dass diese Entscheidungen jemanden schaden oder verletzen können. Für Ihre Ziele kann sie über Leichen gehen. Wenn sie verärgert ist, kennt sie keine Gnade. Sie kann auch sehr streng und brutal sein.

Athena begegnet Veränderungen von außen skeptisch. Dadurch kann sie auch neue Chancen verpassen.

Mythologie:

Sie ist die Göttin für Kampfstrategie, Klugheit und Handwerk.  Sie ist die Tochter des Zeus und der Metis. Schon ihr Geburtsweg war laut Mythen spektakulär. Zeus hatte seine Geliebte Metis, die mit zwei Kindern schwanger war, verschlungen, weil prophezeit wurde, dass eine Tochter ihm ebenbürtig sein wird, aber ein Sohn würde ihn stürzen.

Weil Zeus danach Kopfschmerzen plagte, hatte sein Bruder Hephaistos auf seinen Befehl hin seinen Kopf zerschlagen und Athena entsprang daraus. Diese Kopfgeburt macht Athena zum Symbol der Klugheit und Intelligenz. Sie wird schon bei ihrer Geburt in Kriegsrüstung dargestellt. Mythen beschreiben sie sehr schön, aber schlicht: Athena erscheint immer mit zusammengebundenen Haaren und in einer goldenen Kriegsrüstung.

Ihr Symbol ist die Eule. Athena ist niemals eine Liebesbeziehung eingegangen. Sie beschützte Wissenschaft und Handwerk. Sie liebte Handwerk und war selber eine tolle Weberin.

Sie gehörte zu den 12 Hauptgöttern auf dem Olymp. Sie ist Schutzgöttin und Namensgeberin der Stadt Athen. Um Schutzgöttin der Stadt zu werden, hat Athena einen Wettstreit mit ihrem Onkel Poseidon gewonnen.

Während eines Kampfspiels tötete Athena versehentlich ihre Kindheitsfreundin Pallas, Tochter des Meeresgottes Triton. Zum Andenken der Getöteten hat sie ihren Namen angenommen: Pallas Athena.

Athena akzeptiert nur ihren Vater, welcher der Göttergott Zeus ist.

Perspektive:

Klug planen und strategisch die eigenen Ziele zu verfolgen – diese Eigenschaft brauchen sowohl Frauen als auch Männer.  Daher ist es zielführend für alle, den Athena-Anteil in sich zu stärken und ihn zu aktivieren.

Unser Psychotyp ist ja eine Mischung aller Archetypen. Die individuelle Gewichtung ist entscheidend.

Sich den neuen Entwicklungen und Impulsen zu öffnen, auch etwas zu hinterfragen – würde Athenas Leben bereichern und leichter machen.

Athena sollte empathischer werden. Das würde ihren Beziehungen mit ihren Mitmenschen guttun. Wenn sie sich das als Ziel setzt, dann wird sie es mit Ihrem Ehrgeiz auch erreichen können. Wenn sie das will…

Hast Du eine Athena in Deiner Umgebung erkannt? Wie oft?

Herzlichst, Nana

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⇒ Dieser Beitrag passt gut zum Thema ⇒ „Warum ist es wichtig Deinen Archetyp zu kennen?“

Als wer wurden wir geboren?

Als wer wurden wir geboren?

Lucy kam schnell in meine Nähe und zeigte mir deutlich, dass sie auf meinen Schoß wollte. Ich besuchte in Wien meine Tochter. Ihre Katze Lucy hat mich schon vor zwei Monaten bei einer Durchreise kennengelernt. Damals platzierte meine Tochter sie auf meinem Schoss und es war das erste Mal für mich so einen engen Kontakt mit einer Katze zu haben. Lucy schien das zu gefallen, denn sie schnurrte die ganze Zeit.

Diesmal waren in der Wohnung zwei Katzen, meine Tochter hat einen Kater eines Freundes mehrere Monate lang bei sich aufgenommen. „Mama, Bagi versteckt sich, wenn jemand zu Besuch ist, mag sein, dass er sich in diesen drei Tagen gar nicht zeigt“ – sagte sie. 

Ich habe Bagi ruhig und liebevoll angesprochen, ahnend, dass er sich unter dem Bett versteckte. Tatsächlich passierte es so, dass Bagi am zweiten Tag ins Wohnzimmer kam und mir mit seinem Schwanz die Beine streichelte. Ein Wunder – so betitelte dies meine Tochter.  Diese drei Tage beobachtete ich fasziniert, wie unterschiedlich diese Katzen waren, wie Tag und Nacht.

Lucy ist eine sehr hübsche junge Katze in rötlich goldener Farbe mit einem niedlichen Blick. Alle lieben sie und sie genießt es. Sie kann sehr gut posieren.  Wenn ich Lucys Fotos oder Videos poste, dann bekommen diese immer große Zuwendung und Aufmerksamkeit. 

Lucy wurde meiner Tochter als ein wertvolles Geschenk gemacht und wird von ihr von Anfang an verwöhnt. Sie kriegt schöne Spielzeuge, gutes Essen und große Zuneigung. Lucy verhält sich oft auch wie eine Prinzessin (auf der Erbse). Mama, sie miaut heute und ich weiß nicht warum – höre ich immer wieder von meiner Tochter. Wenn meine Tochter an der Uni ist, kann sie per App Lucy Essen aus dem Spender geben. Alle ihre Freunde sind von Lucy beeindruckt und sagen oft, dass sie eine besondere Katze ist. Lucy ist auch eigenwillig: Sie will gestreichelt werden, wann es ihr danach ist, sonst wehrt sie sich. Wenn sie Lust hat, kommt sie zu dir, sonst lässt sie sich nicht stören.

lucy

Als meine Tochter dieses Jahr ihre Geburtstagsfeier hatte, musste sie zusätzlich einen Stuhl besorgen, weil Lucy sich auf einem so breit gemacht hatte, dass keiner wagte, ihr diesen Stuhl wegzunehmen. Danach saß sie vergnügt auf dem Schoß fast jedes Besuchers und genoss die Gesellschaft sehr.

Während dieser Geburtstagsfeier versteckte sich Bagi nicht nur im Nebenzimmer/Schlafzimmer, sondern kroch in den Kleiderschrank rein. Für ihn waren die Besucher nur eine Belastung. Er wurde auf einem Bauernhof geboren, später landete er in einem Tierheim und musste lange warten, bis jemand ihn aufgenommen hat.

Bagi ist ein schwarzer Kater mit leuchtenden grünen Augen. Er sieht anders aus als Lucy und hat auch einen anderen Lebensweg als sie. Einmal habe ich am Küchentisch sitzend eine schnelle Bewegung gemacht und es fiel mir auf, wie Bagi am Ende des Raumes erschrocken mit dem Essen aufhörte und sich im Schlafzimmer versteckte. Er hat viel Angst und wenig Vertrauen.

So ähnlich ist es mit uns – wir kommen zur Welt mit unterschiedlichen Voraussetzungen und unsere unterschiedlichen Lebensbedingungen prägen uns zusätzlich.

Die genetisch bedingten Voraussetzungen beschreiben unseren Ursprungspsychotyp (Archetyp).

Das ist unsere Genetik (auch kollektives Unterbewusstsein genannt), die unsere Ursprungspersönlichkeit formt. Das bedeutet: wir werden mit bestimmten Sonnen- und aber auch Schattenseiten geboren. Wir haben als Babys schon ein tiefes Wissen und Entwicklungspotential.

Unsere Lebensbedingungen können diese angeborene Persönlichkeit unterschiedlich beeinflussen. Damit ist zu erklären, warum gleiche Ereignisse von uns unterschiedlich bewertet/interpretiert und verarbeitet werden.

Unser Lebensweg kann das Potential, das unsere Hauptstärke darstellt, fördern oder bis zur Unkenntlichkeit verblassen lassen und sogar ganz unterdrücken.

Ein Beispiel: Wird ein Baby mit bestimmten Eigenschaften, wie hohe Sensibilität, Kreativität, langsames Tempo (Reaktion/Entwicklung) in eine Familie hineingeboren, die durch hohe Leistungen, detaillierte Ordnungsliebe und Schnelligkeit geprägt ist, dann wird seine Entwicklung sehr davon abhängig sein, ob und wie seine Familie Verständnis für sein Wesen hat. Wenn das Kind doch unter Leistungsdruck gerät und mit allen Kräften versuchen wird, sich zu beschleunigen, dann gewinnt es einiges, z.B. Zuwendung der Familie, Lehrer etc. aber verliert sich selbst, seine Einzigartigkeit, sein Urpotential.

Hier sind unterschiedliche Szenarien möglich. Es ist auch ein Happy End möglich: Das Baby, später als Erwachsene findet doch auf den eigenen Weg zurück. Woran merkt man wo man steht?

◊ Wenn wir das Gefühl der Stimmigkeit mit unserem Leben haben, auch wenn es dort an Problemen und Herausforderungen nicht mangelt.

◊ Wenn wir grundlos kraftlos sind. Kraftlos fühlen wir uns, wenn wir das Leben beschreiten, dass andere für uns bestimmt haben. Wenn zwischen unserem Urpotential und der jetzigen Lebensrealität ein tiefer, oft unbewusster Konflikt besteht.

◊ Wenn wir ein untrügliches Gefühl dafür haben, dass wir uns irgendwo verloren oder ausgewichen sind. In diesem Fall vermeidet man Alleinsein und Beschäftigung mit sich selbst, fühlt sich aber von Themen/Geschichten angezogen, die das thematisieren.

◊ Körperliche Belastungen ohne organische Befunde: Migräne, Kopf-, Rücken-, Bauchschmerzen etc. Mit Schmerztabletten unterdrücken wir die Botschaften unseres Körpers, lösen aber keinesfalls das Problem.

Ich bitte meine Klienten/Patienten oft, die eigene Familie zu interviewen, wie sie als Babys und Kleinkinder waren. Verspielt, fröhlich, eigenköpfig, neugierig? Und jetzt?  ängstlich, angepasst, angespannt, äußerst vorsichtig, oft besorgt und traurig?

Dann nehmen wir einen Weg auf zu dieser Persönlichkeit, die wir einmal waren. Es gibt nichts Interessanteres und Bewegenderes als sich dieser Person zu nähern, den eigenen Kern zu beleuchten und ihn besser kennenzulernen. Der nächste Schritt ist, alles loszulassen, was einem aufgezwungen wurde und viele Jahre wie ein Klotz am Bein wirkte.

Sich innerlich stärken und befreien, die eigenen Beweggründe und den eigenen Lebenssinn zu verstehen ist nicht jedermanns Sache, aber wenn die innere Bereitschaft da ist, dann sollten wir den Mut haben, den bewussten Prozess anzufangen. Viele meiner Klienten lesen viel zu diesen Themen. Das erleichtert uns die Zusammenarbeit. Es sind oft viele Erkenntnisse schon da.

Aber die Haupterkenntnisse kommen dann noch, denn sie sind im eigenen Gedankenlabyrinth im Alleingang nicht leicht zu finden.

Was bringen uns diese Erkenntnisse? Ein Verständnis für sich selbst und auch für andere. Sie sind der Motivator und Türöffner dafür, dass wir imstande sind, das eigene Leben neu zu kreieren, das Vergangene und Vorhandene zu würdigen und wertzuschätzen.

Wir lesen Romane und Dramen, wir schauen Filme und bewundern und lieben die Hauptfiguren. Ich möchte aber Menschen lieber dazu einladen, den eigenen Film anzuschauen, sich selbst als Hauptdarsteller/in zu bewundern, zu feiern und ihm/ihr die Möglichkeit zu geben, den eigenen Pfad zur eigenen Kraftquelle zurückzufinden.

Das sei uns allen gegönnt.

Herzlichst, Nana

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